Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

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priusb78 Verified
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Registriert: Di 9. Jul 2013, 14:42

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von priusb78 Verified »

[quote=Robert]
...

Viele Grüsse
Robert

PS: Was ich über Häuser und Autos gesagt habe, gilt imho auch für Gesellschaften[/quote]


Ja, ich meine auch für uns. Keiner ist im Laufe der Zeit mehr "orignal". Wir brauchen Zahnersatz und Brillen und die Haare werden weniger, der Bauch ... usw. ;-) Aber das ist unser Leben oder unsere "Patina". Die meisten stehen dazu, andere helfen mit Färbemittelchen nach oder "restaurieren" mit weniger harmlosen Dingen. Richtig oder falsch gibt es da nicht.
Deshalb darf man einem Auto auch seine Geschichte ansehen - der Originalzustand hört am Tag der Auslieferung auf...

Gruß Thorsten
D Super 5, Bj. '74, brun-scarabée aus Italien
Hans-Uwe Fischer
Beiträge: 1834
Registriert: Do 30. Jan 2003, 08:27

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

[quote=priusb78]
[quote=Robert]
...

Viele Grüsse
Robert

PS: Was ich über Häuser und Autos gesagt habe, gilt imho auch für Gesellschaften[/quote]


Ja, ich meine auch für uns. Keiner ist im Laufe der Zeit mehr "orignal". Wir brauchen Zahnersatz und Brillen und die Haare werden weniger, der Bauch ... usw. ;-) Aber das ist unser Leben oder unsere "Patina". Die meisten stehen dazu, andere helfen mit Färbemittelchen nach oder "restaurieren" mit weniger harmlosen Dingen. Richtig oder falsch gibt es da nicht.
Deshalb darf man einem Auto auch seine Geschichte ansehen - der Originalzustand hört am Tag der Auslieferung auf...

Gruß Thorsten[/quote]

Wie wahr. Es sind aber nicht nur die Äusserlichkeiten, die sich beim Menschen ändern. Es betrifft ebenso auch die Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen usw.

Und mit dem Alter nehmen i.d.R. auch die persönlichen Geltungsbedürfnisse ab und der Mensch wird erträglicher.

HUF
priusb78 Verified
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Registriert: Di 9. Jul 2013, 14:42

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von priusb78 Verified »

Bist Du sicher? ;-)
Ich kenne auch Menschen, die mit dem Alter nicht entspannter, sondern immer verbissener - und unerträglicher - werden.

Naja, ein kleines Bisschen "Charakter" entwickeln Autos mit der Zeit auch:
Jedes hat seinen speziellen Geruch, seine Geräuschkulisse, sein Fahrverhalten...je länger weg vom Werk, desto ausgeprägter. :-)

Gruß Thorsten
D Super 5, Bj. '74, brun-scarabée aus Italien
Hans-Uwe Fischer
Beiträge: 1834
Registriert: Do 30. Jan 2003, 08:27

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

[quote=priusb78]
Bist Du sicher? ;-)
[...]
Gruß Thorsten[/quote]


Nein.

Ich habe da wohl nur an mein soziales Umfeld gedacht. ;-)

Grüsse
Uwe
Hans-Uwe Fischer
Beiträge: 1834
Registriert: Do 30. Jan 2003, 08:27

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

[quote=Robert]
Liebe Gemeinde,

ein Auto ist immer mehr als ein Gebrauchsgegenstand, auch und gerade ein neues Auto kann Fetisch sein. Jedes Auto transportiert Insassen, Gepäck und Image. Das gilt auch für den zitierten Dacia, der eben ein Image von Vernunft und Grundnutzen versinnbildlicht. Es gab übrigens mal einen Staat, wo alle nur mehr oder minder zwei verschiedene Autotypen fuhren, und da war die Bedeutung des Autos nicht geringer als auf der anderen Seite von dessen Grenze.
Die Frage ist doch eigentlich: Was ist "original"? Ist es das jeweilige Auto, das im Zustand x in unseren Besitz kommt, nach einer bestimmten Gebrauchsdauer, mit Schäden, Verschleiss und Veränderungen durch die Vorbesitzer, oder ist es der Neuzustand, der durch die Fabrikationsnormen und -verfahren festgelegt ist. Sprich, bezieht sich Originalität auf einen bestimmten, im Lauf seiner Nutzungsdauer veränderten Gegenstand oder auf die möglichste Identität mit dem Auslieferungszustand? Dabei spielt im kunsthistorischen Kontext auch immer eine Rolle, wann endet der "bestimmungsgemässe" Gebrauch und beginnt die Zeit der musealen Darbietung.
Konkret: Ich habe meine ID 1999 nach "Teilrestauration" bis 2015 als Alltagsauto gebraucht und dabei ziemlich runtergeritten. Weil es mir besser gefiel und das alte Brett beschädigt war, habe ich ein DS-Armaturenbrett eingebaut. Die Pallasleisten, die vielleicht schon von Anfang an drauf waren, habe ich damals entfernt und die Löcher zugeschweisst. Jetzt steht der Wagen in meiner Werkstatt und soll "restauriert" werden. Ein gutes ID-Brett habe ich aufgetrieben. Die Leisten sind noch vorhanden. Wo mache ich den zeitlichen Schnitt? Zustand 1966? Zustand 1999? Zustand 2015? Oder, so mein aktueller Plan, mache ich mir ein ganz neues Bild und baue den Wagen jetzt mit dem ID-Brett wieder auf, lackiere ihn aber in einer baujahrsgenäss passenden Farbe, die mir besser gefällt als das langweilige blanc paros?
Konkret: Bei der Renovierung unseres Hauses haben wir alle Änderungen der letzten 50 Jahre versucht, rückgängig zu machen (und eine Zentralheizung eingebaut). Dabei wird es zum einen "originaler", aber indem wir die Linoleumböden und die abgehängten Decken mit den Styropor-Deckenplatten rausgerissen haben, haben wir auch die Geschichte der Bewohner vernichtet. Immer entsteht ein Bild einer projizierten Vergangenheit.
Egal, woran wir uns orientieren, in dem Moment, wo wir etwas ändern, interpretieren wir es. Und selbst, wenn wir nichts tun, also den aus dem See geborgenen Bugatti wie er ist ausstellen, ist dies schon eine Interpretation.

Viele Grüsse
Robert

PS: Was ich über Häuser und Autos gesagt habe, gilt imho auch für Gesellschaften[/quote]

Dem kann man nur zustimmen. Wo sind die Grenzen...?

Denn selbst wenn ich einen völlig unbenutzten und objektiv 100% originalen DS/ID finden würde, wäre er durch eine heutige Hohlraumkonservierung nicht mehr "original".

HUF
Kuhno
Beiträge: 263
Registriert: Mo 12. Jan 2015, 13:21

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von Kuhno »

Das Auto ist für mich ein Spaßobjekt, kein philosophisches. Es ist auch primär nicht als Kunstobjekt geschaffen worden, sondern als Geschäftszweck. "Voiture de grande Diffusion" hieß der Auftrag. Dazu gehören dem geplanten Verkaufspreis geschuldete Unzulänglichkeiten in der Technik und den Details.
Das alles mal ganz nüchtern betrachtet.
Dass es ein Design und einiges an Technik bekam, dass seiner Zeit voraus war, ist unbestritten, dass ich es toll finde ist klar, sonst hätte ich ja keine DS.

Ich war nie Markenbezogen, ich ging bei Oldtimern aussschließlich danach, was mir gefällt. Die fliessenden und dynamischen Linien meines 55er Jaguar gefallen mir optisch sogar besser als die der DS, da er 1955 in einer anderen preislichen Liga spielte, macht er auch vom Innenraum her wesentlich mehr her. Ist aber auch nicht das einzige Kriterium, mein Ami6 gefiel mir eben so gut, vom Design her war er m.E. nach sogar gleich revolutionär und skuril. Meine persönliche Präferenz sind seit einiger Zeit in Handarbeit entstandene Autos die ohne Rücksicht auf Kosten gebaut wurden, so mein Aston Martin (dessen Besitz bei manchen sogar zu einer Art Beissreflex führte, soll ich es verschämt verschweigen, ich freue mich über ihn genau so wie über die DS? )

Objekt meiner Begierde ist hier ein Bristol 410 oder 411 nach dem ich auf der Suche bin. "and now to something completely different" wie es bei Monty Phyton hiess.

Vom Grundthema des Threads her, ich verbessere das, was ich für notwendig halte, wenn andere es so orginal wie möglich halten wollen, ist es ihre Sache, die ich nebenbei auch gut nachvollziehen kann.

Das Auto steht im Besitz seines Eigentümers, über die, die es anders haben wollen, die Nase zu rümpfen, ist lächerlich, es geht sie schlicht und einfach nichts an.

Ich kenne diese Typen von Treffen, die "Tirekicker" die mit stolz geblähter Brust um fremde Autos rumlaufen, den Leuten um sie herum mit ihrem unheimlichem Fachwissen auf den Keks gehen und ungefragt "nicht originool, gabs nicht, das war so und so" von sich geben. Es fragt sie zwar nie jemand, aber die Armen können halt offenbar nicht anders. Das meinte ich mit Fetisch und Religion.

Der eine hält es so, der andere so - jeder wie er mag, nicht mehr und nicht weniger.

Wer damit ein Problem hat, kann es gerne für sich behalten :-)
VJ
Beiträge: 639
Registriert: Do 26. Jul 2007, 18:30

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von VJ »

Hallo,
Hat jemand von hier diskutierenden jemals eine "Neue Originale DS" gesehen....?

Gruß
Vlado
M. Ferchaud
Beiträge: 2152
Registriert: Mi 13. Jan 2010, 21:45

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von M. Ferchaud »

[quote="Hans-Uwe Fischer"]Denn selbst wenn ich einen völlig unbenutzten und objektiv 100% originalen DS/ID finden würde, wäre er durch eine heutige Hohlraumkonservierung nicht mehr "original".[/quote]

Ha! In meiner '58er ist noch keine Hohlraumkonservierung!

Äh...

Ok, das war ein Eigentor...

;-)
Hans-Uwe Fischer
Beiträge: 1834
Registriert: Do 30. Jan 2003, 08:27

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

VJ hat geschrieben: Hallo,
Hat jemand von hier diskutierenden jemals eine "Neue Originale DS" gesehen....?

Gruß
Vlado
Ja.

HUF
Hans-Uwe Fischer
Beiträge: 1834
Registriert: Do 30. Jan 2003, 08:27

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

[quote="M. Ferchaud"]
[quote="Hans-Uwe Fischer"]Denn selbst wenn ich einen völlig unbenutzten und objektiv 100% originalen DS/ID finden würde, wäre er durch eine heutige Hohlraumkonservierung nicht mehr "original".[/quote]

Ha! In meiner '58er ist noch keine Hohlraumkonservierung!

Äh...

Ok, das war ein Eigentor...

;-)[/quote]

...dann wird's aber Zeit.

HUF
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