Servolenkung

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Nils Oehler
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Re: Servolenkung

Beitrag von Nils Oehler »

Hmmm,
ich arbeite ja auch in der Autozulieferindustrie in einem verwandten Bereich, habe also einen gewissen technischen Hintergrund. Bei verschiedenen Geschäftsbereichen meiner Firma werden zur Zeit interessante Nachfertigungen angestoßen, und es gibt auch ein internes Oldtimerforum. Ich will keine falschen Hoffnungen wecken, aber mein Plan ist es mal meine Fühler auszustrecken. Problem ist natürlich dass wir für dieses Teil natürlich nicht der Erstlieferant waren. Am Ende haben wir es hier mit einem Hydraulikzylinder zu tun, das ist eigentlich nichts ungewöhnliches. Und da ist mir nicht klar, warum man diese beiden Teile um die es wohl geht nicht nachfertigen kann. Ich möchte zunächst einmal genau verstehen wo das Problem mit der Lenkung liegt.

Tom, Du hast doch alles an Deinem Wagen zerlegt. Kannst Du mir mal die Maße geben die ich oben angefragt habe? Welche Toleranz ist denn tatsächlich gefragt bei dem Kolben und Zylinder? Gibt es sonst noch problematische Teile?

Den Artikel auf Jint seiner Seite kenne ich natürlich. Er ist sicher interessant, aber trotzdem ein typischer Pressetext bei dem mit irgendwelchen (Mikrometer-) Zahlen um sich geworfen wird um den durchschnittlichen Leser zu beeindrucken. PSA ist nicht die einzige Firma die hydraulische Wegeventile herstellt, das können andere genauso. Ich denke die Angaben gelten nur für die Steuerventile. Allerdings ist es ja so, dass PSA die meisten seiner Teilewerke an Zulieferer verkauft hat . In sofern weiß ich nicht ob das noch der aktuelle Stand ist und was Citroën heute noch selbst fertigt. Soweit ich weiß kommen heute z.B. die HP-Federelemente von Kayaba.

Nebenbei, was hat denn die Tauschlenkung vom Audi gekostet? Hier haben wir auch den Effekt, dass Ersatzteile "frei" kalkuliert werden, d.h. sie kosten das was man vom (Privat-) Kunden herausholen kann. Die Produktionskosten betragen oft nur einen Bruchteil davon. Als Hausnummer kann man sagen dass "Originalersatzteile" schließlich 5 bis 10 mal soviel kosten wie der Autohersteller an den Lieferanten bezahlt.

Nils
Nils Oehler
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Re: Servolenkung

Beitrag von Nils Oehler »

Noch ne Anmerkung: Der Daimler hat die Teile nicht bei Citroën sondern bei uns gekauft :-).

Nils
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Thomas Held Verified
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Re: Servolenkung

Beitrag von Thomas Held Verified »

Hallo Nils,

die Zylinder, um die es geht, sind nicht die, die auf Deinem Foto zu sehen sind, sondern die beiden Steuerzylinder im Lenkkopf. Grundsaetzlich gleiche Konstruktion und Problematik mit Verschleiss zeigen die Kolben/Zylinder der Bremsventile.
Zu den Toleranzen der Teile kann ich nichts sagen, zu den Abmessungen eventuell schon. Ich habe noch einen zerlegten Lenkungs-Steuerkopf im Keller liegen...
Gruss,

Tom
Gruß

Tom
ThomasT
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Re: Servolenkung

Beitrag von ThomasT »

Für den Traction gibt es inzwischen eine elektrische Lenkung.
Wer hat die gebaut?
Ginge das dann auch beim D-Modell...?

lg
Thomas
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Thomas Held Verified
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Re: Servolenkung

Beitrag von Thomas Held Verified »

Aaaaaahhhhhhhhh!
Dazu faellt mir ein Bericht in einer alten HP ueber eine polnische DS mit Stahfederung ein...
Gruss,

Tom
Gruß

Tom
ThomasT
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Re: Servolenkung

Beitrag von ThomasT »

?
Du bist doch sonst sachlich.
Nils Oehler
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Re: Servolenkung

Beitrag von Nils Oehler »

Hallo Tom,

danke für diese Info. Also ist demanch die Überholung/Abdichtung des Hydraulikzylinders kein Problem (oder?). Es geht also um die beiden Steuerventile (die auf angehängtem Bild keine Nr. haben). Ich gehe mal davon aus, dass sich die Schieber mit der Zeit abnützen und es dann zu internen Undichtigkeiten im Steuerventil kommt. Man müßte also die Schieber und den Zylinder nachfertigen um das Problem zu lösen.
Was wird aber denn bei den "überholten" Lenkungen gemacht, wenn diese Teile (noch) nicht nachgefertigt wurden? Das bedeutet doch am Ende dass eine Lenkung die Probleme mit den Steuerventilen hat nicht überholt werden kann?

Nils
tomsail
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Re: Servolenkung

Beitrag von tomsail »

Nils Oehler schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo Tom,
>
> danke für diese Info. Also ist demanch die
> Überholung/Abdichtung des Hydraulikzylinders kein
> Problem (oder?).

genau...

>Es geht also um die beiden
> Steuerventile (die auf angehängtem Bild keine Nr.
> haben). Ich gehe mal davon aus, dass sich die
> Schieber mit der Zeit abnützen und es dann zu
> internen Undichtigkeiten im Steuerventil kommt.

nein, es gibt "externe undichtigkeiten". wenn die dinger verschleissen, dann sifft die lenkung. da KEINE dichtungen verwendet werden und die 170bar arbeitsdruck rein metallisch nur durch die enge passung, ohne irgendwas sonst gedichtet werden.

> Man müßte also die Schieber und den Zylinder
> nachfertigen um das Problem zu lösen.
> Was wird aber denn bei den "überholten" Lenkungen
> gemacht, wenn diese Teile (noch) nicht
> nachgefertigt wurden? Das bedeutet doch am Ende
> dass eine Lenkung die Probleme mit den
> Steuerventilen hat nicht überholt werden kann?


genau das ist das eigentliche lenkungsproblem was im 2. und 4. beitrag zu erklären versucht wurde....

grüße
thomas

---
Nils Oehler
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Re: Servolenkung

Beitrag von Nils Oehler »

Thomas,
Es gibt doch auch Lenkungen die intern undicht sind, was dann zu einer sehr kurzen Einschaltzeit des Druckreglers führt. Es wird doch immer empfohlen das zu überprüfen indem man eine Fühlerblatt zwischen die Hydraulikleitungen schiebt (also Lenkung vom Hydraulikkreis abschließen). Das müßte doch durch das Steuerventil verursacht werden indem der zugeführte Druck gleich wieder durch die Rücklaufleitung abhaut, ohne Betätigung der Lenkung (??).

Ich kann mir immer noch nicht vorstellen dass es so schwierig ist so eine Passung herzustellen (für die Ventile). Normale Hydraulik-Schieberventile haben doch auch den gleichen Arbeitsdruck wie die DS-Anlage und liegen preislich so bei 150 Euro (Magnetventile).

Übrigens, wie hast Du das Lenkungsproblem bei Deinem Wagen gelöst?

Nils
tomsail
Beiträge: 2236
Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: Servolenkung

Beitrag von tomsail »

Nils Oehler schrieb:
-------------------------------------------------------
> Thomas,
> Es gibt doch auch Lenkungen die intern undicht
> sind, was dann zu einer sehr kurzen Einschaltzeit
> des Druckreglers führt. Es wird doch immer
> empfohlen das zu überprüfen indem man eine
> Fühlerblatt zwischen die Hydraulikleitungen
> schiebt (also Lenkung vom Hydraulikkreis
> abschließen). Das müßte doch durch das
> Steuerventil verursacht werden indem der
> zugeführte Druck gleich wieder durch die
> Rücklaufleitung abhaut, ohne Betätigung der
> Lenkung (??).

ja, das allgemein "interne undichtigkeit" genanntes phänomen tritt in den hydraulikzylindern auf. (im zahnstangenteil/rohr)
schliesst du dieses mit dem fühlerblatt vom hydraulikkreislauf ab und der regler hat ein längeres schaltintervall, dann ists da undicht. das steuerventil kann man so nicht prüfen.

> Ich kann mir immer noch nicht vorstellen dass es
> so schwierig ist so eine Passung herzustellen (für
> die Ventile). Normale Hydraulik-Schieberventile
> haben doch auch den gleichen Arbeitsdruck wie die
> DS-Anlage und liegen preislich so bei 150 Euro
> (Magnetventile).

bei den herkömmlichen hydraulik-schieberventilen hast du keine nach aussen durchdringenden kolben. die dinger sind statisch gedichtet mittels verschlusschraube/o-ring ... etc. spiele solcher kolben: im hunderststelbereich.
da wirds nicht nach aussen undicht wenn der kolben mehr spiel hat. die durch die kolbenspiele auftretenden leckagemengen sind z.t. einkalkuliert/gewünscht und werden intern abgeführt.
das ist nicht die welt zum herstellen und kostet auch net viel.
Bild

beim DS-brems/lenkventil wird ein bewegter kolben, der NACH AUSSEN aus dem gehäuse austritt, ohne jede dichtung verwendet. spiel=einige µm
hier noch ein tolles bild von jint:

Bild


>
> Übrigens, wie hast Du das Lenkungsproblem bei
> Deinem Wagen gelöst?
>

gar nicht!
habe eine gute lenkung und diese lediglich gesäubert/gespült und mit neuen manschetten versehen.
die lenkung ist das einzige hydraulikteil das ich nicht geöffnet hab.

grüße
thomas
---
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