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Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Di 8. Nov 2016, 18:45
von buntspecht
Hallo,

ich glaube ein recht ähnliches Gefühl wie früher erreicht man mit einem Fahrzeug technisch dass:
- motortechnisch nicht verschlissen ist (straffe Steuerkette, dichter Vergaser, originale Elektrik etc.)
- Fahrwerk nicht ausgelutscht und abgeschmiert ist
- die Hydaulikanlage sauber und dicht ist und alle Federkugeln voll sind
- Korrektoren sauber sind
- Lenkung dicht ist
- elektrische Anlage massetechnisch sauber ist
- alle Karosserieteile richtig passen...

Ihr seht es könnte praktisch jedes D-Modell das erfüllen.

Was aber keines wieder machen kann wie früher die anderen Sinne zu reizen sind Gerüche oder die Haptik frischer Stoffe wiederzugeben, das alles ist vorbei.
Unsere Autos sind diesbezüglich alle mehr oder weniger patiniert. Welche Pallas hat noch zum Beispiel den originalen Himmel drin...? So geht's weiter. Schade.

Grüße
Goran

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Di 8. Nov 2016, 18:55
von VJ
Ich könnte einiges über DS-Neuwagen schreiben, als Mechaniker einer Citroenwerkstatt habe ich seit 1966 " hunderte" neue DS gefahren,repariert usw.
Bin auch heute noch damit beschäftigt allerdings nur noch Privat und nur an eigenen DS die mittlerweile auch so alt sind, die auch zum Teil bzw. vollrestauriert sind. Ich kenne sehr sehr viele Unterschiede zwischen damals und heute.....

Aaaaaber, eins habe ich durch Foren gelernt : egal was ich schreiben würde, immer wieder würde "einer" mein Betrag einzweifeln oder einiges besser wissen,obwohl dieser jeniger damals nicht dabei war usw., deshalb behalte ich meine Erfahrung und mein Wissen für mich ......und genieße noch einige Zeit meines DS-Lebens....

Gruß
Vlado

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Di 8. Nov 2016, 19:24
von Jint Nijman
[quote=VJ]
deshalb behalte ich meine Erfahrung und mein Wissen für mich ...[/quote]
Schade!

Ich habe selbst zwar soeben folgendes geschrieben:
[quote=JN]
Ich denke das kann kein Mensch. Wirklich neue ID/DS gibt es seite 41 Jahren nicht mehr, wie wir alle wissen. Und auch wenn jemand vor 41 oder mehr Jahren in einen neuen ID/DS gefahren ist wird er (hoffentlich) wohl nicht behaupten dass er das Fahrgefühl von damals in eine neue DS/ID (objektiv) mit dass von heute in eine andere DS/ID vergleichen kann.
[/quote]
habe dabei aber nicht an Personen wie dich (Vlado) gedacht die mehr oder weniger Ihr ganzes Leben schon DS fahren und die die Erfahrung deshalb quasi über die Zeit pflegen konnten...

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Di 8. Nov 2016, 20:49
von RnB
[quote=VJ]
Ich könnte einiges über DS-Neuwagen schreiben, als Mechaniker einer Citroenwerkstatt habe ich seit 1966 " hunderte" neue DS gefahren,repariert usw.
....

Gruß
Vlado[/quote]

Hallo Vlado,

Du wärst zur Beantwortung meiner Frage hochqualifiziert ! Das wäre der Bericht aus 1. Hand und keine irgendwie wiedergekäute Weisheit.

Ich finde, Du solltest einen read-only thread bekommen, wenn Du Dich nicht doch überreden lassen solltest... Ich bin sehr gespannt.

Alternativ - und das meine ich ernst - hättest Du nicht Lust zu dem Thema einen Vortrag zu halten ? In Hamburg stelle ich Dir einen entsprechenden Veranstaltungsraum in bester Lage und bei freiem Eintritt für die Besucher zur Verfügung.

Viele Grüße
Ronald

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Di 8. Nov 2016, 23:03
von M. Ferchaud
Spannend!

Auch ich bin zu jung, um je in den Genuss einer Neuwagen-DS gekommen zu sein.

Allerdings habe ich seit Anfang der 90er (klar, da waren die jüngsten DS auch schon 15 Jahre alt) mehrere D-Modelle mit extrem niedriger Laufleistung und in exzellentem Erhaltungszustand erlebt - allesamt definitiv nicht restauriert.

So unter anderem viele DSuper5 und ein paar DS 21.

Ich erinnere mich an sonor gedämpfte Laufgeräusche, excellente Federungen, stramme Haptik von Lenkung, Schaltung und Pedalerie, satte Sitzpolster und spezifische Gerüche.

Wir hatten's davon auch kürzlich beim Stammtisch in Stuttgart: Vom Bouquet der verschiedenen D-Modelle. Und ich bin der Meinung, dass trotzt definitiv vorhandener "Altersnoten" in manch gut erhaltenem Fahrzeug doch eine mehr oder weniger erlebbare Nuance "Neuwagenduft" vernehmbar ist.

Die DS 23 von Andreas gehört zu diesen Exemplaren - die DSuper5 eines guten Freundes ebenfalls. In gewissen Schattierungen an frühe GS und CX erinnernd, die sich gleicher Polsterstoffe und teilweise identischer Kunststoffe und Schäume bedienten.

Damit verglichen, dünstet meine DS 19 einen typischen 50er Jahre-Oldtimer-Muff aus, der sicherlich deutlich weiter entfernt ist vom Urspungsflaveur.

Schnuppernde Grüße
Henning

PS.: Schön, dass sich der Thread wieder gefangen hat - und ich hoffe, das bleibt so.

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Mi 9. Nov 2016, 08:04
von KW
09.11.2016 KW
Guten Morgen,
die Düfte? Bei Blumen und Gewürzen würde ich von Düften sprechen. Bei Materialien wie Kunststoffen, Leder, oder Textilien sind das eher Gerüche.
Lacke verlieren die Verdünnungsmittel, Kunststoffe die Weichmacher, Leder die chemischen Zusätze der Färbung/Gerbung, die Stoffe die Ausrüstungs- und Färbebeigaben.
Es ist eigentlich ein Mix aus Ausdünstungen. Je weniger man riecht, desto besser.
Genießt die Duftfreien Damen. Eine gut duftende Dame auf dem Sitz nebenan ist doch auch nicht zu verachten.
Viele Grüße
KW

DS 23, HA, Bj. 73

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Mi 9. Nov 2016, 08:57
von Hans-Uwe Fischer
Wenn ich einen angenehmen Geruch geniessen will, gehe ich in die Natur, in den Bäckerladen oder in ein Sägewerk.

Will ich in die automobile Welt besonderer Krönungen versinken, schnüffel ich an einer DS/ID.

HUF

PS: Für mich ist "Geruch" ein Oberbegriff und beinhaltet Duft, Bukett usw. Auch Duft kann für den Einen oder Anderen Gestank sein. ;-)

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Mi 9. Nov 2016, 10:04
von Kuhno
Der typische "Oldtimergeruch" ist nichts anderes als das Abfallprodukt von Bakterien und Schimmelpilzen in für sie paradiesischen Feuchtbiotopen. Gemeinhin als muffig bezeichnet, ähnlich dem Geruch von wochenlang nicht gelüfteten Schlafzimmern und wochenlang benutzter Bettwäsche, wie sie der enzsetzte Besucher dort wahrnehmen kann.

Original und neu roch es in der Zeit nach Ausdünstungen von Kunststoffen, haupstächlich den entfleuchenden Weichmachern, da hatte man das technisch noch nicht im Griff. Wenn man Glück hatte, roch es nach Leder, aber auch nur eine Zeit lang.

Diverse Hausmittelchen und Rezepte helfen da wenig bis nichts, man kann begrenzt nur durch andere "Düfte" überlagern (ich bevorzuge eine single malt Whiskey mit sehr torfiger Note)

Wirklich Herr darüber kann man nur werden, wenn man alle Teppiche, Dämmstoffe und Polstermaterialien austauscht oder auch einer chemischen Reinigung unterzieht.

Ansonsten muss man damit leben und es sich schönreden :-)

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Mi 9. Nov 2016, 11:10
von Hans-Uwe Fischer
[quote=Kuhno]
Der typische "Oldtimergeruch" ist nichts anderes als das Abfallprodukt von Bakterien und Schimmelpilzen in für sie paradiesischen Feuchtbiotopen. Gemeinhin als muffig bezeichnet, ähnlich dem Geruch von wochenlang nicht gelüfteten Schlafzimmern und wochenlang benutzter Bettwäsche, wie sie der enzsetzte Besucher dort wahrnehmen kann.

Original und neu roch es in der Zeit nach Ausdünstungen von Kunststoffen, haupstächlich den entfleuchenden Weichmachern, da hatte man das technisch noch nicht im Griff. Wenn man Glück hatte, roch es nach Leder, aber auch nur eine Zeit lang.

Diverse Hausmittelchen und Rezepte helfen da wenig bis nichts, man kann begrenzt nur durch andere "Düfte" überlagern (ich bevorzuge eine single malt Whiskey mit sehr torfiger Note)

Wirklich Herr darüber kann man nur werden, wenn man alle Teppiche, Dämmstoffe und Polstermaterialien austauscht oder auch einer chemischen Reinigung unterzieht.

Ansonsten muss man damit leben und es sich schönreden :-)[/quote]


Eine kleine Prise Romantik täte diesem Beitrag gut...

HUF

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?

Verfasst: Mi 9. Nov 2016, 11:16
von Manfred
Ich hatte mal einen Mercedes W116 mit einer wunderschönen Velour-Polsterung. Leider hatte der Vorbesitzer die undichte Windschutzscheiben-Dichtung übersehen oder in Kauf genommen, da er eh irgendwann den Wagen verkaufen wollte.

Auf jeden Fall hatte das eingedrungene Wasser in den Teppichen einen derartigen Gestank im Laufe der Jahre entstehen lassen, dass ich allein schon wegen dem Gestank im Auto den Wagen schon fast nicht hätte kaufen wollen.

Dieser Gestank hatte sich auch schon längst in der restlichen (ansonsten sehr gut erhaltenen) Polsterung der Sitze festgesetzt. Ich hatte den Wagen komplett entkernt und alle Stoffe und Sitze zunächst einer aufwändigen Handwäsche unterzogen und anschließend noch eine "Doppelbehandlung" mit Polsterschaum und Profi-Poster-und Teppichbodenreiner-Maschine durchgeführt.
Danach habe ich alles an der Frühlingssonne lufttrocken lassen und wieder eingebaut. Ergebnis: So richtig los geworden bin ich den "Oldtimerduft" nicht, aber immerhin sagen wir mal um ca. 90% reduziert.

Ganz anders nun in meiner DS, die auch innen komplett im neuen Gewand daher kommt. Sogar Leute, die mit Oldtimern nix am Hut haben und sich trotzdem mal in meine DS gesetzt haben, konnten ein "oh, der riecht ja wie neu" nicht verkneifen.