So, weiter geht es mit dem Test der Hygroskopie…
Es ist ja bekannt: LHS2 (und Bremsflüssigkeit) bindet im Laufe der Zeit die Luftfeuchtigkeit und reichert Wasser an. Dadurch wird es „nass“ und kann Korrosion in den Hydraulikleitungen erzeugen. Es verliert auch seine Schmierfähigkeit und siedet früher. Kurzum: Je älter die Flüssigkeit, desto dringender muss sie gewechselt werden.
Da nach den ersten Tests kaum Unterschiede zwischen LHS1 (SP19*) und LHS2 zu verzeichnen waren und Citroën auch auf die uneingeschränkte Mischfähigkeit untereinander hinweist, liegt der Verdacht nahe, dass auch LHS1 hygroskopisch sein könnte. Erste Tests von mir haben gezeigt, dass es beigemengtes Wasser absolut identisch bindet, wie LHS2. Es handelt sich also mindestens schonmal um eine hydrophile Flüssigkeit, womit „echtes LHV“ leider auszuschließen ist (dieses wäre hydrophob, das Wasser würde sich nicht darin lösen).
Ungeklärt ist aber noch, ob LHS1 die Feuchtigkeit auch „aktiv aus der Luft saugt“ (Hygroskopie), wie LHS2, oder ob es in dieser Beziehung besser ist, wie ja einige Benutzer von LHS1 berichten. Dies gilt es also zu überprüfen, aber wie? Ich habe mir folgendes überlegt:
LHS1 und LHS2 sind viskos genug, um unter Atmosphärendruck und bei Zimmertemperatur wenig zu verflüchten. Es ist auch „dick“ genug, um im Vakuum nicht zu kochen (habe ich vorab getestet). Anders sieht es mit Wasser aus: Es kocht im Vakuum und wird gasförmig. Diesen Unterschied können wir uns zu Nutze machen, um bei „nassem“ LHS das Wasser wieder zu trennen.
Dazu mein Vorversuch: Ich reichere eine kleine Menge (Viertel Schnapsglas) LHS1 & 2 absichtlich mit etwas Wasser an und rühre sie um, bis das Wasser vollkommen gelöst ist. Rein optisch ist dieses „nasse“ LHS von „trockenem“ LHS nicht zu unterscheiden, das Wasser ist vollständig gebunden. Nun lege ich das nasse LHS in einen Exsikkator und ziehe die Luft bis zum Vakuum raus, und tatsächlich: Auf einmal „explodiert“ das LHS mit einer gewaltigen Schaumkrone, wie ein zu schnell eingegossenes Bier. Nach ein paar Sekunden ist der Spuk vorbei und das LHS sprudelt noch für ca. 10 Minuten weiter vor sich hin, bis das Wasser komplett "verflogen" ist. Danach ist wieder Ruhe, das LHS ist also wieder weitgehend „trocken“ wie zuvor, juhu!! Beide (LHS1 & LHS2) verhalten sich in dieser Hinsicht absolut identisch!
So jetzt also der eigentliche Test: Ich fülle von meinen NOS-Proben zwei kleine Mengen in Becher ab und bechrifte sie, um Verwechselung zu vermeiden. Die erste spannende Frage: Haben die NOS-Flüssigkeiten im Laufe der Jahrzehnte (über 50 Jahre bei SP19!!) in ihren Dosen „Wasser gezogen“?
Also rein in das Exsikkator-Vakuum und beobachten: Die Flüssigkeiten bleiben beide „ruhig“, sie waren also tatsächlich über Jahrzehnte in den Dosen effektiv vor Feuchtigkeit geschützt!
Und nun gilt es einfach, die Proben einer höheren Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum auszusetzen und zu sehen was passiert. Auch Temperaturschwankungen, die Kondensfeuchtigkeit provozieren, wären realistisch. Also habe ich die Proben einfach mal auf den Balkon gestellt und werde demnächst einen Feuchtigkeitstest im Exsikkator machen. Ziehen sie Feuchtigkeit, werden sie dann aufschäumen, bleiben sie trocken, bleiben sie auch im Vakuum ruhig.
Wenn alles wie geplant klappt, werden wir dann sehen, ob sich das LHS1 anders verhält, als das LHS2, oder ob beide die Luftfeuchtigkeit absorbieren.
Ich bin gespannt…
Viele Grüße,
Ekki