Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert
Verfasst: Sa 20. Feb 2016, 23:18
Und noch ein Update: Hydrophilie!
Nein, das ist keine Krankheit oder perverse Neigung, sondern die “Wasserfreundlichkeit” einer Flüssigkeit. Wir haben da ja schon drüber geredet. Es galt zu untersuchen, wie „trocken“ die einzelnen Hydrauliköle sind, wie viel Wasser sie also aufnehmen können, ohne dass wir es bemerken. Und eins vornweg: Die Ergebnisse sind ziemlich erschreckend.
Versuchsaufbau
Der Versuch ist relativ simpel: Man nehme eine kleine Menge Hydrauliköl (5ml) und lege sie vorher ins Vakuum. Da die Flüssigkeiten NOS sind und noch trocken, passiert nichts.

Jetzt stellen wir die 5ml auf eine sehr empfindliche Waage, sie zeigt genau 5gr an. Mit einer Pipette oder Spritze fügen wir nun tropfenweise Wasser hinzu. Wie schon beschrieben, bildet das Wasser hellgelbe Wolken.

Ein bisschen Umrühren / Schwenken des Gläschens reicht aber, und das Wasser wird vollkommen unsichtbar im LHS gebunden. Wir haben keine Chance, mit dem bloßen Auge zu erkennen, dass es bereits Wasser „gezogen“ hat.

Im Bild oben sehen wir LHS2, nachdem ich schon 0,37gr Wasser hinzugefügt habe: Die Flüssigkeit ist weiterhin klar. Das ist ziemlich verblüffend, entspricht das schon 7,5% Wasseranreicherung. Bis knapp über 5,4gr ging das Spiel so, erst darüber wird das LHS2 dann leicht trüb, nun ist es gesättigt und das „Problem sichtbar“.

Links: Mit Wasser gesättigtes SP19 / LHS2, rechts trockenes
Das Ergebnis sieht ungefähr aus wie Hefeweizen gegen Kristallweizen
Man beachte auch den Pegelzuwachs, die Flüssigkeit hat sich vermehrt.
Dieses Experiment habe ich mit allen drei Flüssigkeiten, SP19 / LHS2 Total / LHS2 Pentosin durchgeführt:

Alle drei Flüssigkeiten sind in der Lage, bedenklich viel Wasser aufzunehmen. Den Vogel schießt aber das SP19 ab: Sage und schreibe 16% seines Eigenvolumens kann es Wasser aufnehmen! Bei den 5L, die im DS-Kreislauf sind, entspricht das bis zu 800ml(!!)Wasseraufnahme ohne dass man es sieht! Erst darüber wird es dann trüb. Also so falsch können die KnowHow Texte, die genau diese Schwäche von SP19 / LHS1 thematisieren (NuancierDS, ID19.net, Crappyfabrics usw.) nicht sein.
Die potenziellen Gefahren von soviel Wasser im Hydrauliköl, dürften klar sein: Die Viskosität sinkt, die Schmierfähigkeit nimmt ab und der Siedepunkt sinkt dramatisch. Letzteres könne sich in Bremsenfading äußern, obwohl die DS mit ihrem >100bar Bremsdruck da nicht so anfällig ist, wie normale Autos. Aber das ist alles kein Grund zur Panik, denn das Wasser muss ja erst einmal in die Flüssigkeit, und das geht nur über Kondensation (Temperaturschwankungen im Fass) und Hygroskopie, und beides sind langsame Vorgänge.
Noch nicht untersucht ist die Stärke der Hygroskopie, also die Fähigkeit des Öls, das Wasser aus der Luft zu binden, ohne dass man es aktiv zuführen muss. Dieser Test dauert leider länger, ist aber in Arbeit: Meine beiden Proben fristen derzeit auf dem Balkon ihr Dasein und in ein paar Wochen werde ich ihre Masse vor und nach dem „Trocknen“ im Vakuum wiegen, dann wissen wir, wie hygroskopisch LHS2 und SP19 im direkten Vergleich sind. Der Verdacht liegt nahe, dass die trockenere Flüssigkeit (SP19) mehr dazu tendiert, Wasser aus der Luft zu binden, aber das ist nur Spekulation bisher.
Interessant ist in diesem Zusammenhang sicherlich, dass die Erfahrungsberichte alter DS-Profis wie Ralf belegen, dass SP19 keine solche Korrosion provoziert wie LHS2 und die Hydraulik auch nicht nach längerem Nichtgebrauch „klemmt“ wie mit LHS2. Das bestätigt meine These, dass die hygroskopischen / hydrophilen Eigenschaften beider Flüssigkeiten wahrscheinlich gar nicht der Hauptauslöser der Probleme bei LHS2 sind. Da muss noch was anderes „Böses“ drin sein, aber warten wir erstmal meine Hygroskopie-Ergebnisse ab, vielleicht gibt es da ja noch mal Überraschungen
Es bleibt dabei: Wer LHS2 oder SP19 in seiner DS hat, ist gut beraten, die Flüssigkeit genauestens im Auge zu behalten, damit es nicht irgendwann eine böse Überraschung gibt. Die überlieferten Probleme kommen nicht von ungefähr, bei allen Flüssigkeiten im Auto handelt es sich halt um Verbrauchsmaterial.

So sieht es übrigens aus, wenn man Wasser LHM zuführt: Das H²0 sinkt wie ein Stein zu Boden und bildet dort runde Tropfen. Damit ist auch nicht zu spaßen, ab und zu sollte man die Leitungen entlüften und spülen, falls es sich irgendwo gesammelt haben sollte. Und auch LHM würde ich persönlich hin und wieder wechseln, denn Viskosität und Schmierfähigkeit wird über die Jahre der Nutzung garantiert nicht besser
LHS1/2 „trocknen“
Jetzt hatte ich also zwei Proben von total „durchnässten“ LHS1/2. Ist das nun unbrauchbar, oder kann man das wiederaufbereiten? Also rein damit in meinen Exsikkator und schon nach wenigen Sekunden schäumte es auf, blieb aber weiterhin trüb… drei Stunden habe ich es in der Vakuumglocke gelassen, danach wieder entnommen. Und dann hatte es tatsächlich wieder die tolle Transparenz und Farbe eines Kristallweizens

Nach dem Besuch im Exsikattor ist das LHS wieder wie neu!
Die Waage bestätigte anschließend haargenau das Ausgangsgewicht vor dem Versuch (5gr), das Wasser war wieder vollständig entzogen. Mit anderen Worten: Nasses SP19 & LHS2 kann man tatsächlich wieder trocknen! Allerdings wird das im Exsikkator schon ein paar Tage dauern wegen der Menge von mehreren Litern LHS. Auf keinen Fall sollte man versuchen, das Wasser durch Erhitzen raus zu bekommen: Das Wasser wird zwar verdampfen, aber viele Bestandteile des LHS leider auch, es verändert seine Struktur!
So, ich hoffe, das war für Euch auch ein wenig interessant…
Viele Grüße,
Ekki
Nein, das ist keine Krankheit oder perverse Neigung, sondern die “Wasserfreundlichkeit” einer Flüssigkeit. Wir haben da ja schon drüber geredet. Es galt zu untersuchen, wie „trocken“ die einzelnen Hydrauliköle sind, wie viel Wasser sie also aufnehmen können, ohne dass wir es bemerken. Und eins vornweg: Die Ergebnisse sind ziemlich erschreckend.
Versuchsaufbau
Der Versuch ist relativ simpel: Man nehme eine kleine Menge Hydrauliköl (5ml) und lege sie vorher ins Vakuum. Da die Flüssigkeiten NOS sind und noch trocken, passiert nichts.

Jetzt stellen wir die 5ml auf eine sehr empfindliche Waage, sie zeigt genau 5gr an. Mit einer Pipette oder Spritze fügen wir nun tropfenweise Wasser hinzu. Wie schon beschrieben, bildet das Wasser hellgelbe Wolken.

Ein bisschen Umrühren / Schwenken des Gläschens reicht aber, und das Wasser wird vollkommen unsichtbar im LHS gebunden. Wir haben keine Chance, mit dem bloßen Auge zu erkennen, dass es bereits Wasser „gezogen“ hat.

Im Bild oben sehen wir LHS2, nachdem ich schon 0,37gr Wasser hinzugefügt habe: Die Flüssigkeit ist weiterhin klar. Das ist ziemlich verblüffend, entspricht das schon 7,5% Wasseranreicherung. Bis knapp über 5,4gr ging das Spiel so, erst darüber wird das LHS2 dann leicht trüb, nun ist es gesättigt und das „Problem sichtbar“.

Links: Mit Wasser gesättigtes SP19 / LHS2, rechts trockenes
Das Ergebnis sieht ungefähr aus wie Hefeweizen gegen Kristallweizen
Dieses Experiment habe ich mit allen drei Flüssigkeiten, SP19 / LHS2 Total / LHS2 Pentosin durchgeführt:

Alle drei Flüssigkeiten sind in der Lage, bedenklich viel Wasser aufzunehmen. Den Vogel schießt aber das SP19 ab: Sage und schreibe 16% seines Eigenvolumens kann es Wasser aufnehmen! Bei den 5L, die im DS-Kreislauf sind, entspricht das bis zu 800ml(!!)Wasseraufnahme ohne dass man es sieht! Erst darüber wird es dann trüb. Also so falsch können die KnowHow Texte, die genau diese Schwäche von SP19 / LHS1 thematisieren (NuancierDS, ID19.net, Crappyfabrics usw.) nicht sein.
Die potenziellen Gefahren von soviel Wasser im Hydrauliköl, dürften klar sein: Die Viskosität sinkt, die Schmierfähigkeit nimmt ab und der Siedepunkt sinkt dramatisch. Letzteres könne sich in Bremsenfading äußern, obwohl die DS mit ihrem >100bar Bremsdruck da nicht so anfällig ist, wie normale Autos. Aber das ist alles kein Grund zur Panik, denn das Wasser muss ja erst einmal in die Flüssigkeit, und das geht nur über Kondensation (Temperaturschwankungen im Fass) und Hygroskopie, und beides sind langsame Vorgänge.
Noch nicht untersucht ist die Stärke der Hygroskopie, also die Fähigkeit des Öls, das Wasser aus der Luft zu binden, ohne dass man es aktiv zuführen muss. Dieser Test dauert leider länger, ist aber in Arbeit: Meine beiden Proben fristen derzeit auf dem Balkon ihr Dasein und in ein paar Wochen werde ich ihre Masse vor und nach dem „Trocknen“ im Vakuum wiegen, dann wissen wir, wie hygroskopisch LHS2 und SP19 im direkten Vergleich sind. Der Verdacht liegt nahe, dass die trockenere Flüssigkeit (SP19) mehr dazu tendiert, Wasser aus der Luft zu binden, aber das ist nur Spekulation bisher.
Interessant ist in diesem Zusammenhang sicherlich, dass die Erfahrungsberichte alter DS-Profis wie Ralf belegen, dass SP19 keine solche Korrosion provoziert wie LHS2 und die Hydraulik auch nicht nach längerem Nichtgebrauch „klemmt“ wie mit LHS2. Das bestätigt meine These, dass die hygroskopischen / hydrophilen Eigenschaften beider Flüssigkeiten wahrscheinlich gar nicht der Hauptauslöser der Probleme bei LHS2 sind. Da muss noch was anderes „Böses“ drin sein, aber warten wir erstmal meine Hygroskopie-Ergebnisse ab, vielleicht gibt es da ja noch mal Überraschungen
Es bleibt dabei: Wer LHS2 oder SP19 in seiner DS hat, ist gut beraten, die Flüssigkeit genauestens im Auge zu behalten, damit es nicht irgendwann eine böse Überraschung gibt. Die überlieferten Probleme kommen nicht von ungefähr, bei allen Flüssigkeiten im Auto handelt es sich halt um Verbrauchsmaterial.

So sieht es übrigens aus, wenn man Wasser LHM zuführt: Das H²0 sinkt wie ein Stein zu Boden und bildet dort runde Tropfen. Damit ist auch nicht zu spaßen, ab und zu sollte man die Leitungen entlüften und spülen, falls es sich irgendwo gesammelt haben sollte. Und auch LHM würde ich persönlich hin und wieder wechseln, denn Viskosität und Schmierfähigkeit wird über die Jahre der Nutzung garantiert nicht besser
LHS1/2 „trocknen“
Jetzt hatte ich also zwei Proben von total „durchnässten“ LHS1/2. Ist das nun unbrauchbar, oder kann man das wiederaufbereiten? Also rein damit in meinen Exsikkator und schon nach wenigen Sekunden schäumte es auf, blieb aber weiterhin trüb… drei Stunden habe ich es in der Vakuumglocke gelassen, danach wieder entnommen. Und dann hatte es tatsächlich wieder die tolle Transparenz und Farbe eines Kristallweizens

Nach dem Besuch im Exsikattor ist das LHS wieder wie neu!
Die Waage bestätigte anschließend haargenau das Ausgangsgewicht vor dem Versuch (5gr), das Wasser war wieder vollständig entzogen. Mit anderen Worten: Nasses SP19 & LHS2 kann man tatsächlich wieder trocknen! Allerdings wird das im Exsikkator schon ein paar Tage dauern wegen der Menge von mehreren Litern LHS. Auf keinen Fall sollte man versuchen, das Wasser durch Erhitzen raus zu bekommen: Das Wasser wird zwar verdampfen, aber viele Bestandteile des LHS leider auch, es verändert seine Struktur!
So, ich hoffe, das war für Euch auch ein wenig interessant…
Viele Grüße,
Ekki
