Jetzt wollte ich es doch noch einmal genau wissen und habe mich mit der Frage
Wer verursacht wie viel Feinstaub?
auseinander gesetzt.
Die erste und ernüchternde Erkenntnis: die meisten und genausten Informationen gibt es deutschsprachigen Raum aus Österreich und der Schweiz.
Die nächste Erkenntnis überrascht nicht wirklich: je nach politischer Couleur variieren die Zahlen und auch die benannten Gruppen sind je nach Ausrichtung der Untersuchung unterschiedlich.
Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz gibt als Verursacher der
Feinstaubbelastung in München (2000) folgende Zahlen an:
50% = großräumiger Hintergrund
25% = lokaler Verkehr (einschließlich Reifenabrieb, Bremsabrieb, Straßenabrieb und Aufwirblung)
25% = sonstiger städtischer Hintergrund
(Quelle: http://www.stmugv.bayern.de/umwelt/luft ... sacher.htm)
Nach dem
Bundesumweltamt (2001/2005) sind es folgende Verursacher:
35% / 35% = Industrie
19,3% / 18 % = Privathaushalte und Kleinverbraucher
35% / 20% = Straßenverkehr einschließlich Abrieb von Reifen, Bremsbelägen und Straßenasphalt
11,1% / 11% = Kraft- und Fernheizwerke
9,4% / 11% = übriger Verkehr
- / 5% = Schütgüter
(Quelle 2001: http://www.medicalpicture.de/cont_62.feinstaub.php)
(Quelle 2005: www.its-munich.de/pdf/Feinstaub_Broschuere.pdf)
Für die
Stadt Frankfurt / Main ergab sich für das Jahr 2005 folgende Aufschlüsselung:
41% = Kfz-Verkehr
9,6 % = Industrie
3,5 % = Gebäude
45,9 % = Ferneintrag
(Quelle: http://www.frankfurt.de/sixcms/media.ph ... t_2005.pdf)
Der
BUND arbeitet mit folgenden Zahlen:
45% = Kfz-Verkehr
38% = Industrie
17% = Gebäudeheizung
(Quelle: www.bund.net/verkehr/aktivwerden/aktivw ... nstaub.pdf)
Diese Zahlen stimmen mit denen des
Hessischen Umweltaltlasses überein, dort werden allerdings die 38% Feinstaubbelastung der Industrie noch einmal wie folgt unterteilt:
35% = Industrie
3% = Kleingewerbe
(Quelle: http://atlas.umwelt.hessen.de/servlet/F ... pm_txt.htm)
Heidi Wright, SPD, Mitglied des Bundestages weist generell 50 % der Feinstaubbelastung Dieselrusspartikeln zu.
(Quelle: http://www.heidiwright.de/servlet/PB/menu/1548290/)
Wie verteilen sich nun 25% bis 45 % Feinstaubanteil innerhalb des Kraftfahrzeugverkehr?
Laut
Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz ergeben sich die folgenden Anteile (alle Straßen / innerorts):
31% / 34% = Pkw
11% / 12 % = Leicht Nutzfahrzeuge
54 % / 47 % = Schwere Nutzfahrzeuge
2% / 3 % = Reisebusse
2% / 4 % - Linienbusse
(Quelle: http://www.erlangen.de/de/Portaldata/1/ ... posium.pdf)
Der
Aktionsplan Frankfurter am Main 2005 vom Hessischen Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz schlüsselt die KFZ-Klassen wie folgt auf und weist ihnen die Partikelbelastung zu (Messstation Friedberger Landstraße, 2003):
31.118 Fahrzeuge pro Tag, davon
80% = Ottomotor : weniger als = 0,1 %
20% = Dieselmotor : 100%, davon
14% = PKW bis 2,8 Tonnen : 33,1%
2,1 % = LKW bis 3,5 Tonnen : 7,7%
3 % = LKW über 3,5 Tonnen : 45,8%
0,9 % = Busse : 13,4%
(Quelle: http://www.frankfurt.de/sixcms/media.ph ... t_2005.pdf)
Zusammenfassung (so sie denn überhaupt möglich ist):
Es ist nicht einfach, sich ein verlässliches Bild über die anteilsmäßige Verursachung von Feinstaub zu machen, wobei man grundsätzlich aber davon ausgehen kann, dass Feinstaub auf nur jede erdenkliche Art und Weise erzeugt und freigesetzt werden kann (1 Zigarette = 100 Diesel-PKW Stunden). Ich habe leider keine einzige Untersuchung darüber gefunden, wie Feinstäube transportiert werden, da zumindest im Straßenverkehr davon ausgegangen werden kann, dass sich bereits niedergeschlagener Feinstaub durch Luftverwirbelung erneut ausbreitet kann. Ebenso ist mir verborgen geblieben, wie die Messverfahren industriell bedingte Feinstaubbelastung von Feinstäuben aus (privaten) Heizungsanlagen oder Verkehr (PKW, Flugzeuge, Schiffe, Eisenbahn) unterscheiden können.
Sollten die Frankfurter Messwerte (Friedberger Landstraße) zutreffen, dann kann aber festgestellt werden, das die automobil verursachte Feinstaubbelastung ausschließlich von Dieselfahrzeugen erzeugt wird, wobei hier die kleine und kleinste Gruppe der schweren LKW´s und (städtischen) Busse den prozentual größten Beitrag leistet. Aber auch hier sollte man mit voreiligen Schlussfolgerungen vorsichtig sein, da – zumindest die schweren LKW´s – mit ihrem Motormanagement nicht für langsame Stadtfahrten im Stop-and-Go-Betrieb ausgelegt sind.
Schenkt man den Zahlen Glauben, würde die 20% Reduzierung des Verkehrs in den Städten - also das totale Verbot von Dieselfahrzeugen - zu einer 100%igen Reduzierung des Feinstaubes aus automobiler Entstehung innerhalb dieser Städte führen.