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undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Mo 6. Aug 2007, 22:40
von mipu
Hallo Zusammen,
ich habe an meiner ID Bj 1963 vor 2 Jahren die Schwimmbremssättel nach langer Standzeit überholt, da festgesessen. Sahen sehr gut aus, kein Rost, alles gereinigt, poliert, danach mit LHS gefahren und gut.
Vor einem halben Jahr habe ich nun auf DOT5 gewechselt. Kurz darauf beide Bremssättel undicht (es leckt an den Kolben/Bremsschuhen raus). Darauf alles wieder zerlegt. Einer der DS-Spezialisten meinte, es läge an den O-Ringnuten, weil man die nie richtig sauber und glatt bekommt. Habe also alles bei ihm Glasstrahlen lassen, neue Dichtungen, alles wieder eingebaut (wer es schon mal gemacht hat weiß, wieviel Arbeit das ist). Leider sind die Sättel immer noch undicht.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Liegt es an DOT5 oder ist einfach die Verschleißgrenze erreicht (warum aber bei beiden gleichzeitig)? Sollte ich einfach wieder LHS reinkippen? Oder versuchen bessere Teile zu bekommen?
Danke
Michael
Re: undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Mo 6. Aug 2007, 22:56
von Robert
Hallo Michael,
ich habe mit DOT 5 keine Erfahrungen, aber mit LHS habe ich bei meinen Autos bisher noch keine Undichtigkeit nach Bremsüberholung gehabt. Meine Autos laufen gut und zuverlässig mit LHS und ich wüsste keinen Grund, mit DOT 5 zu experimentieren. Verschleiss bzw. Korrosion findet sich meist an den Kolben, die ggfls neu verchromt werden müssen, die Ringnut im Bremsschuh ist nach meiner Erfahrung eher unkritisch. Ulf Petermann empfiehlt/vertreibt O-Ringe mit leichtem Übermass, die habe ich bisher immer verbaut und wie gesagt, null problemo. Vielleicht - aber das ist jetzt Spekulation - liegt das Problem darin, dass Du die Bremsen vor dem Wechsel der Flüssigkeiten nicht ausgebaut und gereinigt hast und sich da nun DOT 5 und LHS-Reste bekriegen.
Gruss
Robert
Re: undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Di 7. Aug 2007, 20:23
von mipu
Hallo Robert,
danke für deine Antwort. Eine Unverträglichkeit kann nicht vorliegen, beim zweiten Mal hatte ich die Sättel ja gereinigt und zerlegt. Ich habe aber jetzt bei Petermann Dichtungen bestellt. Er behauptet, die normalen O-Ringe könnten nie richtig abdichten, schon gar nicht mit DOT5. Ich hoffe, er hat recht.
Trotzdem würde mich noch interessieren: J. Hoch sagte mir beim Verkauf von DOT5, die meisten seiner LHS-Kunden würden das Zeug inzwischen fahren. Stimmt das?
Danke Robert für den Petermann Tip
Michael, ID 19 1963
Re: undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Do 25. Okt 2007, 18:34
von upeter
Hallo Michael,
mich interessiert das Endergebnis: Bremsen wieder dicht?
Damit keine Missverständnisse auftreten: Meiner Erfahrung nach gibt es mit der Original O-Ring-Grösse fast immer Probleme IN GEBRAUCHTEN SÄTTELN
- weil die O-Ring-Nut größer wird, alleine durchs Auskratzen,
- weil die "Originalen" SBR-O-Ringe uralt und geschrumpft sind / Weichmacher ist z.T. raus, meistens sieht man einen braunen Farbring im Papier der Verpackung = "Weichmacher",
- weil die nachgemachten EPDM-Ringe schrumpfen, je nach Qualität um 8 bis zu 18%.
Deshalb liefere ich von vornherein größere (dickere) Ringe für LHS, die dürfen dann etwas schrumpfen und passen (dichten) immer noch.
Nun erhalte ich des öfteren Anfragen wegen Undichtigkeiten oder Druckverlust oder gar Versagen der Schaltung bei Einsatz von DOT5 = Silikonöl. Im Internet versuchte ich mich schlau zu machen und fand folgende Daten für DOT5, dazu die Daten von LHS-2 von der Pentosin und die Daten von meinem LHS-2000:
-----------------Viskosität/-40°C=-40°F-----------------Viskosität/100°C
Silikonöl=DOT5---=1,5 cSt
LHS-2-----------=4,5 cSt
LHS-2000-------->4500 cSt / -33°C(!!)------------------->4,5 cSt, liegt bei 6 cSt
LHS-2 ist also 3 - 5x dicker als DOT5. Als Bremsflüssigkeit problemlos bis hervorragend, die braucht nicht zu schmieren, als Hydrauliköl eine Katasthophe. Wenn die Daten so stimmen, wäre das die schlüssige Erklärung für Leckagen und Schlimmeres. Ohnehin entspricht DOT5 in keiner Hinsicht den Citroën-Spezifikationen für LHS-2.
Also lass mich mal teilhaben an Deiner jüngsten Erfahrung.
Gruss, Ulf Petermann
Re: undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Do 25. Okt 2007, 19:18
von Doctor-D
http://hd19.net/technique/hydraulique/e ... iques.html
Ist ganz nett zu lesen, auch wenn man es mit Googlesprach übersetzen lässt.
Dot5 ist wohl nicht der wahre Jakob.Ich fahre jetzt seit 10 Jahren mit LHS und alle meine rothäutigen Kunden auch, mir sind die Sättel zweimal undicht (EPDMSchroumphringe)geworden, nach Petermanns Übermass geht das jetzt schon sehr lange gut.
Mein Bremsölexperimente mit Dot4 aus der Not haben meinen ersten Schaltblock jedenfalls ruiniert.
Re: undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Sa 27. Okt 2007, 22:27
von mipu
Hallo Herr Petermann,
eigentlich wollte ich schon lange das Ergebnis bekanntgeben, aber die Zeit:
nach unserem Gespräch über DOT 5 habe ich aus Ungeduld, bevor ich Ihre größeren O-Ringe erhielt einfach anstatt DOT 5 wieder meine uralt LHS eingefüllt. Und siehe da: alles wieder fast dicht. Anschließend dann die O-Ringe montiert, (die Bremskolben gehen damit wirklich relativ schwer wieder rein) und neue LHS aufgefüllt und ein halbes Jahr Ärger war beendet. Zum Schluss:
Finger weg von DOT 5. Mag oft gut gehen, manchmal aber auch nicht.
Ich sage das so deutlich, weil ein allseits bekannter Händler das Zeug unglaublich bewirbt. Ich wollte eigentlich auch nur einen LHS-Wechsel durchführen, wurde aber dann zum Wundermittel DOT 5 überredet und hatte 6 Monate kein Auto, 3 mal die Schwimmsättel demontiert (irgendwann geht auch das zügig) und das Clubtreffen verpasst.
Insgesamt war auffällig, dass unter DOT 5 die gesamte Hydraulik, die bis dahin trocken war, "schwitzte". Hochdruckpumpe, Druckregler, ja sogar der Ansaugschlauch waren außen feucht.
Danke Herr Petermann für Ihre schnelle und kompetente Hilfe.
Michael Pulling, ID 1963 Bleu de Provence
Re: undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Sa 27. Okt 2007, 23:28
von upeter
Hallo,
die Bremskolben gehen ohne das richtige Gleitmittel wirklich schlecht rein: Silkonpaste (Liqui Moly) wirkt Wunder, mit dem Handballen reindrücken ist dann kein Problem mehr, es sei, man hat die Nuten im Bremsschuh nicht ganz sauber gemacht, am besten mit einem Zahnsteinhaken + Dentalspiegel zum Kontrollieren. Euren Zahnarzt fragen, der hat bestimmt Altteile.
Gruß, Ulf Petermann
Re: undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Mi 5. Dez 2007, 21:18
von Gerhard Trosien
Inkontinenz bei DOT5?
Ich habe seit 2 Jahren DOT5 im Bremssystem meines HY.
Nach 2 Jahren kann ich folgende Erfahrungen mitteilen:
Gummiteile SCHRUMPFEN! Ich habe beim Wechsel die hinteren Radbremszylinder und den Druckbegrenzer hinten erneuert. Letzter fiel recht schnell aus, wurde häufig zerlegt, der Dichtring einer "Spezialbehandlung" unterzogen, seitdem scheint er dicht zu sein. Aber die Manschetten der hinteren RBZ sind auch undicht... seit neuestem scheint das Bypass-Ventil, welches den Druckregler bei Ausfall des vorderen Bremskreislaufs umgehen soll, ebenfalls undicht zu werden.
Die Gummiteile bleiben im Gegesatz zu früher, als DOT4 drin war, schön weich unf glatt; vorher wurden sie teilweise richtig klebrig und plastisch verformbar. Aber sie schrumpfen und machen das Auto, da es hinten oft und unverhofft heftig überbremst, beinahe unfahrbar.
Nachdem ich vor Jahren mal las, das frühe DOT5-Mischungen wegen eines zu hohen Anteils an "Quellmittel" Probleme bereiteten, denke ich, dass dieser ominöse "Quellmittel"anteil zu gering ist.
Der Lieferant der Bremsflüssigkeit ist ratlos, angeblich bin ich seit über 20 Jahren der erste Kunde mit derartigen Problemen.
Wenn jetzt hier keine Anregung kommt - vielleicht von H. Petermann, nach dem in ACC-Forum bereits Suchanzeigen aufgegeben wurden - werde ich wohl in den sauren Apfel beißen und das System wieder zerlegen, reinigen und mit dem ungeliebten DOT4 auffüllen.
Re: undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Do 6. Dez 2007, 22:25
von Robert
Hallo Gerhard,
welchen Grund hattest Du, das konventionelle HY-Bremssystem auf DOT 5 umzustellen? Solange DOT 4 unter Luftabschluss operiert, ist doch alles ok. Das Problem bei der DS besteht m.E. doch vor allem darin, dass der LHS-Spiegel im Vorratsbehälter eine grosse Fläche bildet, die mit der Umgebungsluft in Berührung kommt (Ich hatte mal phantasiert, an die Entlüftungsöffnung im Deckel des Behälters einen Ballon anzuschliessen und dieses Reservoir mit Stickstoff zu füllen, quasi als Entsprechung der Federkugeln, damit nicht immer neue feuchte Luft nachfliessen kann). Was die Haltbarkeit der Gummis angeht, habe ich den Eindruck, dass zumindest LHS hier geradezu ein Pflegemittel ist. Die vorderen Federzylindermanschetten meiner DS haben 25 Jahre Standzeit überdauert und sind jetzt auch nach 11/2 Jahren Nutzung des Wagens immer noch dicht.
Grüsse
Robert
Re: undichte Schwimmbremssätel
Verfasst: Fr 7. Dez 2007, 07:28
von Gerhard Trosien
Das Problem waren sich selbst auflösende Gummiteile. Dichtmanschetten der RBZ wurden weich, klebrig, plastisch verformbar, durchlässig. Dasselbe gilt dann natürlich auch für die Dichtstulpen, die stellenweise regelrecht zu fließen begannen.
An den Dichtmanschetten gab's Abrieb, der sich zwischen Kolben und Zylinderwand der RBZ schaffte und einmal sogar für totales Blockieren eines vorderen RBZ (das sind die billigen, die so schnell gewechselt sind

) sorgte. Versagen des doppellippigen Dichtungsrings machte hin und wieder das Bremsregelventil unbrauchbar.
Erstaunlich war, dass der HBZ beim Wechsel auf DOT5 in einwandfreiem Zustand war.
Die Bremsflüssigkeit wurde von mir alle 2 Jahre gewechselt, die RBZ wurden jedes Mal zerlegt, von den schwarzen (Gummi-)Ablagerungen befreit und mit Bremszylinderpaste geschmiert.
Bei DOT5 bleiben alle Gummiteile in einwandfreiem Zustand - sie schrumpfen nur....