Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Diskussionen rund um's Thema...
Benutzeravatar
Thomas Held Verified
Beiträge: 5068
Registriert: Do 22. Jul 2004, 12:11

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von Thomas Held Verified »

[quote=1956-1969]
Es gab einige wenige Außenfarben, bei denen man den Insassen den Anblick von außen nicht auch im Innenraum bieten wollte,
[/quote]

Bieten oder zumuten? :-))
Vielleicht passte da einfach keine Polsterfarbe zu?

[quote=1956-1969]
z.B. Vert printemps (1956) AC 505 und Bleu Delphinium ( 1959) AC 603, da hat man die Innenseiten der Türen nachträglich grau überspritzt. Etwa so wie bei den schwarzen DS "administration". Das muss nicht mit dem gleichen Lacktyp wie dem Rest der Karosse passiert sein.
[/quote]

Ich habe auch mal ein Foto einer in einem Gelbton lackierten fruehen DS gesehen, bei der die Innentueren 'Prefecture-like' gris rose lackiert waren...

[quote=1956-1969]
Jetzt weiß ich nicht, warum ich das überhaupt hier im Forum schreibe, eigentlich habe ich dazu keine Lust mehr. Aus diversen Gründen.
[/quote]

Kann ich nachvollziehen, Uli! Meine Lust beizutragen hat auch sehr nachgelassen. Vlado geht es wohl auch gerade aehnlich...

[quote=1956-1969]
Vieles hat Ekki ja auch schon gesagt ( obwohl doch irgendwie anders) , so dass das hier vielleicht überflüssig ist.
[/quote]

Keinesfalls! Woher genau stammen die Angaben?
Gruss,

Tom
Gruß

Tom
oliverf
Beiträge: 534
Registriert: Sa 3. Nov 2007, 15:26

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von oliverf »

Amerikanische Thermoplastlacke haben aber nicht wirklich viel mit den alten Kunstharzlacken gemeinsam.
Kunstharz kann man z.b. problemlos mit 2K Acryl überlackieren, bei Thermoplast ex USA erlebst du da dein blaues Wunder.
Abgesehen davon ist die Schichtdicke bedeutend größer als bei damaligen Kunstharzlacken.
Lackierung Kunstharz +-120 my
Lackierung Thermoplast+- 200my

Abgesehen davon setzen Thermoplastlacke jedes Schleifmittel binnen kürzester Zeit zu, diesen Effekt hat man bei alten Kunstharzlacken nicht.

Gruß

oliverf
Ekki
Beiträge: 490
Registriert: So 22. Jul 2012, 20:21

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von Ekki »

@Uli,
jeder Beitrag ist willkommen, denn gerade bei den Ur-DSsen kennt sich ja leider kaum einer aus. Jede Info ist das hilfreich.
Bisher haben wir doch auch schon neue Erkenntnisgewinne. Der helle, innere Lack wurde bei Vert Printemps tatsächlich über das Grün drüber lackiert?


@Oliver
ja, die Acrylic Laquers sind wohl nicht zu 2K kompatibel, das habe ich auch schon rausgefunden. Schleifen kann man sie aber wohl schon mit Feingefühl.

Kunstharz-Lack ist wohl keine echte Option: Gibt es nicht, lackiert keiner, hat eher minderwertige Qualität.


Es geht ja letztendlich nicht wirklich um die genau gleiche chemische Zusammensetzung des Lackes (denn die wird es eh seit Jahrzehnten nicht mehr so geben), sondern um den originalgetreuen Look und vergleichbare Eigenschaften wie beim Original. Das könnte bei Thermolack schon gegeben sein und bei Nitrolack sowieso, da original ebenfalls verwendet worden (nach wie vor mein Favorit). Wasser-2K mit Klarlack drüber ist jedenfalls meilenweit im Aussehen entfernt.


Sehr interessante Fragen wären aber noch:

- Wie gut kann man einen modernen 2K-Unilack als "Einschicht" (also ohne Klarlack drüber) verwenden?
- Hat das poliert wirklich denselben Look, wie die originalen Alkyd- und Nitrolacke?
- Wie oft lässt sich ein 2K aufpolieren?
- Wie witterungsbeständig wäre das?


Hat da einer Erfahrungswerte?


Gruß,
Ekki
oliverf
Beiträge: 534
Registriert: Sa 3. Nov 2007, 15:26

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von oliverf »

Hallo Ekki,

ich habe durchaus Erfahrungswerte.
Letztlich würde ich immer zu einer 2K Lackierung ohne Klarlack tendieren. Wasserlack mit Klarlacküberzug wird zu "glasig".Solltest du einen richtig guten Lackierer an der Hand haben, wäre es optimal den Lack mit 10 bis 12% Mattierungspaste zu mischen. Das gibt eine seidigere Oberfläche bei noch vorhandener Spritznarbe. Sollte aber einer sein, der es schafft ohne Silikonkrater und ganz weingDreckeinschlüssen. Mattierte Lacke zu schleifen und polieren ist nicht unsichtbar möglich.
Hoglanzlackierung in 2K hinterher schleifen und polieren ergibt zwar ein Spiegelbild und den Effekt einer oft polierten Lackierung aber nicht das authentische alte "neue"Lackbild. Es ist zu auch zu "wertig", verglichen mit dem werkseitigen Finish.
Aufpolieren mußt du bei 2k nicht so oft, wachsen/versiegeln langt völlig. Polituren sind nur nach Kratzern nötig. Ansonsten vielleicht mal nach 3-4 Jahren, früher nicht.
Solle fürs "Finishen" nicht zu viel runtergeschliffen worden sein, verkraftet 2K mehrere Maschinenpolituren ohne Probleme. Aber bitte nicht mit dem Lammfell.

Gruß

oliverf
Ekki
Beiträge: 490
Registriert: So 22. Jul 2012, 20:21

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von Ekki »

Hi Oliverf,

vielen Dank für dieser detaillierten Infos, das klingt ja alles hochinteressant, habe ich so noch nirgendwo gefunden.


[quote=oliverf]
Wasserlack mit Klarlacküberzug wird zu "glasig".[/quote]

Sehe ich auch so...


[quote=oliverf]
Solltest du einen richtig guten Lackierer an der Hand haben, wäre es optimal den Lack mit 10 bis 12% Mattierungspaste zu mischen. Das gibt eine seidigere Oberfläche bei noch vorhandener Spritznarbe. Hoglanzlackierung in 2K hinterher schleifen und polieren ergibt zwar ein Spiegelbild und den Effekt einer oft polierten Lackierung aber nicht das authentische alte "neue"Lackbild. Es ist zu auch zu "wertig", verglichen mit dem werkseitigen Finish.[/Quote]

Hmm, also wenn ich Dich richtig verstehe, ließen sich die alten Alkyd-Einbrennlacke auch neu nicht auf richtigen Hochglanz polieren? War das so, ich habe diesbezüglich keinerlei Erfahrung?

Was ich aber überall lese und höre ist, dass man die Nitro-Lacke so gut polieren kann, dass die bis heute quasi unerreicht sind (ok nicht dauerhaft, muss man pflegen und nachpolieren). Da Citroën ja nun anscheinend sowohl Alkydlacke als auch Nitrolacke verwendet hat, hieße das ja, dass es damals Glanzunterschiede unter den Autos gab? Ja sogar auch an ein und demselben Auto, denn die Dächer waren ja immer in Nitro lackiert? Klingt merkwürdig, auch wenn ich mir das bei Citroën natürlich durchaus vorstellen kann ;)

Und laut Dokumenten hat Citroën die ganzen 60er Jahre hindurch für Metalliclacke weiter Nitrozellulose verwendet... die ließen sich ja dann wohl auch auf Hochglanz polieren, oder haben die sich wieder anders verhalten?


Und diesen mattierten neuen 2K Lack kann man dann ja nie auf richtig Hochglanz polieren, oder?



Viele Grüße,
Ekki
oliverf
Beiträge: 534
Registriert: Sa 3. Nov 2007, 15:26

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von oliverf »

Hallo Ekki!
Alter Hochglanz und neuer Hochglanz sind nicht das gleiche.Die Entwicklung hat da durchaus für noch glänzendere Ergebnisse gesorgt, aber auch für kompaktere schwerere Produkte. Der "weiche" Glanz dunkler Nitrolackierungen ist jedoch unerreicht, aber nicht glänzender als ein gut polierter 2K mit dem richtigen Wachs versiegelt. Dafür hält er nicht sehr lange. warum haben wohl früher die Chauffeure immer am Wagen der Herrschaft rumpoliert????
Mattierter Lack lässt sich durch Polieren zu mehr Glanz bringen, jedoch nicht auf Spiegel-/Hochglanz
Einschichtmetallic ist noch mal ein Sonderfall. Extrem schwer zu lackieren, ermattet dieser Lack auch regelmäßig und ist nicht einfach am Glänzen zu halten. Durch die offenliegenden Metallpartikel wird der Putzlappen rabenschwarz, wie beim Polieren von Inox.

Nicht alle DS-Dächer waren Nitro-lackiert, ab Mitte 60er waren diese nur noch eingefärbt, wie der Gelcoat beim Sportboot.

Glanzunterschiede wirst du immer vorfinden, die Autos haben nicht immer gleich geglänzt, Temperaturunterschiede, anderer Lackhesteller und Tagesform des Lackierenden rufen eine weite Streuung hervor. Nicht umsonst hat Citroën auf den Lacknummernplättchen nicht nur die Farbe, sondern auch den verwendeten Lackhersteller benannt.

Grüßé

Oliverf
Ekki
Beiträge: 490
Registriert: So 22. Jul 2012, 20:21

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von Ekki »

Hi Oliverf,

vielen Dank für deine Ausführungen, klingt alles ganz logisch. Dann werde ich mich mal nach den beiden Alternativen "Nitro vs. 2K Einschicht" erkundigen und nach Abwägen der individuellen Vor- und Nachteile entscheiden.

Hat mir jedenfalls schon sehr geholfen...

Viele Grüße,
Ekki
Ekki
Beiträge: 490
Registriert: So 22. Jul 2012, 20:21

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von Ekki »

Hallo mal wieder,

Danke nochmal für Euren kollektiven Input zu den Lacken: Schließlich bin ich Euren Anregungen gefolgt und zu dem Schluss gekommen, dass ein 2K Einschichtlack dem originalen "Synthetique au Four" Lack am nächsten kommt und darin ist die Dame nun eingekleidet worden.

Im entsprechenden Unterforum habe ich die ersten Bilder eingestellt.

read.php?15,105670


Mein Dank geht auch vor allem an Gert Huiting für diese tolle Arbeit, ich kenne keinen netteren, faireren und gewissenhafteren Restaurator als ihn!

Gruß,
Ekki
Sensenmann
Beiträge: 1029
Registriert: Di 19. Dez 2006, 14:01

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von Sensenmann »

Ich denke mal nur bei der DS war eine Alkyd Lackierung mit Trocknungsphase möglich, weil man ja nur Karosserie-Einzelteile lackiert hat. Man brauchte also nur einen Vorrat an trockenen Blechteilen und konnte die dann ohne Zeitverzögerung auf die Chassis montieren.
Ekki
Beiträge: 490
Registriert: So 22. Jul 2012, 20:21

Re: Première-DS: Original teilweise in Thermolack?

Beitrag von Ekki »

Naja, bei der Restauration geht es ja meist darum, es so originalgetreu wie möglich und dabei so modern wie nötig zu gestalten. Und ich denke, wenn man das abwägt, ist ein moderner Einschicht ohne Klarlack die beste Variante: Gute Haltbarkeit, Korrosionsschutz, geringer Pflegebedarf, originaler Look.

Gruß,
Ekki
Antworten