Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

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Uli
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Registriert: So 30. Jan 2005, 15:20

Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von Uli »

Und als Info, bei Pentosin direkt, die haben jetzt auch einen online-shop, kostet der Liter 19,90.

Gruß Uli
Ekki
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Registriert: So 22. Jul 2012, 20:21

Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von Ekki »

So.... der wirklich spannende Teil hat begonnen!!


Von einem Kumpel habe ich 1 Liter NOS-Testflüssigkeit der "LHS1" Serie bekommen, hier als "SP19" von der Firma Stop. Dieses habe ich angefangen, mit NOS LHS2 von Total zu vergleichen:


Bild


Genau genommen handelt es sich bei dem SP19 bereits um die dritte Generation von LHS1, markiert durch das kleine Sternchen unter dem SP19. LHS2 ist tatsächlich schon die vierte(!) LHS-Generation gewesen.


Bild


Wie man sieht, ist LHS1 (links) dunkler als LHS2, beide gehen aber noch als Bernsteinfarbig durch. Mich wundert das, weil LHS1 in den technischen Dokumenten immer als Rot bezeichnet wurde. Naja, Farbenblinde verwechseln das vielleicht ;-)

Das war es übrigens schon mit den großen Unterschieden, tatsächlich sind sich die beiden Flüssigkeiten in vielen Belangen so ähnlich, dass ich mich frage, ob das wirklich echtes SP19 ist. Absolut identischer Geruch, nahezu identischer Siedepunkt (um 190°C), gleiches Dampfverhalten (im erhitzten Zustand >60°), identische Viskosität im Arbeitsbereich. Die Vorteile von LHS2 zeigen sich vor allem im kalten Arbeitsbereich: Unter 0°C steigt seine Viskosität nicht so stark an, wie die von LHS1. Sein Viskositätsindex wurde also merklich verbessert.

Und vor allem, beide(!) sind leider "hydrophil", reagieren identisch auf Wasser und binden es. Zu untersuchen bleibt noch, ob sie auch identisch hygroskopisch sind, dafür habe ich mir schon einen Testversuch überlegt, den ich die Tage in Angriff nehme. Besonders optimistisch bin ich nicht, weil beide ja erwärmt sehr, sehr flüchtig sind (Verdunsten & Verfärben).


Bild
LHS1/2 würde sich auch gut als Dampföl für die Modelleisenbahn eignen ;)



Zwischenfazit: Die beiden Flüssigkeiten sind sich eigentlich so ähnlich, dass ich zweifle, ob das SP19 wirklich die "Ursuppe" ist, oder schonmal nachgefüllt wurde. Deshalb warte ich noch auf eine 100%ig "bestätigte" Probe, um meine Ergebnisse noch zu verifizieren. Aber inzwischen bin ich leider skeptisch, denn im Kaltbereich habe ich wie gesagt schon große Unterschiede festgestellt, die Farbe ist genau die von SP19 und ich habe gestern recherchiert: Laut Citroën Werkstattunterlagen sind LHS und LHS2 ohne Einschränkungen miteinander mischbar! Das geht eigentlich nur, wenn sie auch größtenteils identisch sind. Echtes "Liquide Vegetal" würde sich niemals im beliebigen Verhältnis mit "Liquide Synthetique" mischen lassen.

Mein erste Vermutung: LHS2 wurde zur Verbesserung des Viskositätsindex eine weitere Substanz zugefügt, die zu den Kautschuk-Dichtungen nicht mehr kompatibel war. Ansonsten sind die beiden identisch. Ob dieser Zusatz die Flüssigkeit LHS2 hygroskopischer gemacht hat, bleibt zu untersuchen. Klar ist aber jetzt schon: Beide binden Wasser, keine von beiden ist hydrophob, wie echtes LHV es wäre.


Das neue Pentosin LHS2 habe ich auch gerade bestellt, sobald ich die beiden neuen Proben (LHS2 / SP19) hier habe, werden die bisherigen Ergebnisse also gegengecheckt, dann können wir sicher sein.


Gruß,
Ekki
Ekki
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Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von Ekki »

[quote=Uli]
Und als Info, bei Pentosin direkt, die haben jetzt auch einen online-shop, kostet der Liter 19,90.

Gruß Uli[/quote]

Jo danke!
Lustig übrigens, wo doch "Der Franzose" angibt, alle Bestände von Pentosin übernommen zu haben ;-)

Da Du gerade hier bist, Du wirst das am ehesten wissen:
Man liest immer wieder, dass Citroën das rote "Ur-LHV" bereits 1956 durch LHS (SP19, HD19, Donax D, usw..) ersetzt hat. Dazu kann ich aber in den Citroën-Unterlagen nichts finden. Außer SP19, SP19 "02" und SP19 "*" (und die anderen Derivate) wird da nichts erwähnt, aber das scheint ja alles nun schon LHS zu sein.

Gruß.
Ekki
Ekki
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Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von Ekki »

Ups, jetzt habe ich die Ulis verwechselt. ;)

Dann gebe ich obige Frage mal in die Runde, weiß da einer mehr?
joka01
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Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von joka01 »

Hallo Erkki,

nach Handbuch "System der Hydraulischen Anlage" wurde das LHS 2 von September 64 bis September 66 (USA,Kanada bis 68) eingesetzt. Das älteste meiner Dokumente ist von 1960 "Die Hauptregulierungen und Kontrollen der mechanischen und hydraulischen Anlagen" und nennt folgende Flüssigkeiten:
ANRAR FH6, BP Energol hydraulique C.F., LOCKHEED HD 19, SHELL Donau D, PENTOSIN 259, Stop SP 19
Alle untereinander mischbar.

Viele Grüße
Jörg
Ekki
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Registriert: So 22. Jul 2012, 20:21

Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von Ekki »

So, weiter geht es mit dem Test der Hygroskopie…


Es ist ja bekannt: LHS2 (und Bremsflüssigkeit) bindet im Laufe der Zeit die Luftfeuchtigkeit und reichert Wasser an. Dadurch wird es „nass“ und kann Korrosion in den Hydraulikleitungen erzeugen. Es verliert auch seine Schmierfähigkeit und siedet früher. Kurzum: Je älter die Flüssigkeit, desto dringender muss sie gewechselt werden.

Da nach den ersten Tests kaum Unterschiede zwischen LHS1 (SP19*) und LHS2 zu verzeichnen waren und Citroën auch auf die uneingeschränkte Mischfähigkeit untereinander hinweist, liegt der Verdacht nahe, dass auch LHS1 hygroskopisch sein könnte. Erste Tests von mir haben gezeigt, dass es beigemengtes Wasser absolut identisch bindet, wie LHS2. Es handelt sich also mindestens schonmal um eine hydrophile Flüssigkeit, womit „echtes LHV“ leider auszuschließen ist (dieses wäre hydrophob, das Wasser würde sich nicht darin lösen).

Ungeklärt ist aber noch, ob LHS1 die Feuchtigkeit auch „aktiv aus der Luft saugt“ (Hygroskopie), wie LHS2, oder ob es in dieser Beziehung besser ist, wie ja einige Benutzer von LHS1 berichten. Dies gilt es also zu überprüfen, aber wie? Ich habe mir folgendes überlegt:

LHS1 und LHS2 sind viskos genug, um unter Atmosphärendruck und bei Zimmertemperatur wenig zu verflüchten. Es ist auch „dick“ genug, um im Vakuum nicht zu kochen (habe ich vorab getestet). Anders sieht es mit Wasser aus: Es kocht im Vakuum und wird gasförmig. Diesen Unterschied können wir uns zu Nutze machen, um bei „nassem“ LHS das Wasser wieder zu trennen.

Dazu mein Vorversuch: Ich reichere eine kleine Menge (Viertel Schnapsglas) LHS1 & 2 absichtlich mit etwas Wasser an und rühre sie um, bis das Wasser vollkommen gelöst ist. Rein optisch ist dieses „nasse“ LHS von „trockenem“ LHS nicht zu unterscheiden, das Wasser ist vollständig gebunden. Nun lege ich das nasse LHS in einen Exsikkator und ziehe die Luft bis zum Vakuum raus, und tatsächlich: Auf einmal „explodiert“ das LHS mit einer gewaltigen Schaumkrone, wie ein zu schnell eingegossenes Bier. Nach ein paar Sekunden ist der Spuk vorbei und das LHS sprudelt noch für ca. 10 Minuten weiter vor sich hin, bis das Wasser komplett "verflogen" ist. Danach ist wieder Ruhe, das LHS ist also wieder weitgehend „trocken“ wie zuvor, juhu!! Beide (LHS1 & LHS2) verhalten sich in dieser Hinsicht absolut identisch!


Bild


So jetzt also der eigentliche Test: Ich fülle von meinen NOS-Proben zwei kleine Mengen in Becher ab und bechrifte sie, um Verwechselung zu vermeiden. Die erste spannende Frage: Haben die NOS-Flüssigkeiten im Laufe der Jahrzehnte (über 50 Jahre bei SP19!!) in ihren Dosen „Wasser gezogen“?


Bild


Also rein in das Exsikkator-Vakuum und beobachten: Die Flüssigkeiten bleiben beide „ruhig“, sie waren also tatsächlich über Jahrzehnte in den Dosen effektiv vor Feuchtigkeit geschützt!

Und nun gilt es einfach, die Proben einer höheren Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum auszusetzen und zu sehen was passiert. Auch Temperaturschwankungen, die Kondensfeuchtigkeit provozieren, wären realistisch. Also habe ich die Proben einfach mal auf den Balkon gestellt und werde demnächst einen Feuchtigkeitstest im Exsikkator machen. Ziehen sie Feuchtigkeit, werden sie dann aufschäumen, bleiben sie trocken, bleiben sie auch im Vakuum ruhig.

Wenn alles wie geplant klappt, werden wir dann sehen, ob sich das LHS1 anders verhält, als das LHS2, oder ob beide die Luftfeuchtigkeit absorbieren.

Ich bin gespannt…


Viele Grüße,
Ekki
Pit
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Registriert: Fr 17. Jan 2003, 18:39

Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von Pit »

Hallo Ekki,
deine Vorgehensweise finde ich super! Meinst du man könnte auch die Siedepunktserniedrigung des feuchten LHS messen?
Viel Erfolg,
pit

Ich habe gerade bei DOT3 eine Siedepunktserniedrigung von 205°C auf 140°C bei einer Zugabe von 3,5% Wasser nachgelesen.
MichaIN Verified
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Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von MichaIN Verified »

Hallo Ekki,

es wäre interessant zu wissen, wie groß bezüglich der gemessenenen Eckpunkte eigentlich der Unterschied zu normaler Bremsflüssigkeit DOT3 (DOT4?) ist.

Viele Grüße,
Michael.
Ekki
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Registriert: So 22. Jul 2012, 20:21

Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von Ekki »

[quote=Pit]
Hallo Ekki,
deine Vorgehensweise finde ich super! Meinst du man könnte auch die Siedepunktserniedrigung des feuchten LHS messen?
Viel Erfolg,
pit

Ich habe gerade bei DOT3 eine Siedepunktserniedrigung von 205°C auf 140°C bei einer Zugabe von 3,5% Wasser nachgelesen.[/quote]


Klar kann man das messen, muss ich ja nur ein feuchtes LHS erhitzen.
Ich gehe aber schon jetzt davon aus, dass sich das ähnlich wie Dot3 verhalten wird, der Siedepunkt also auf unter 150° sinken wird. Eine wichtige Frage wäre: Wie warm wird das LHS denn in den Bremskolben? Wahrscheinlich ist da noch genügend Spielraum, erstrecht bei dem hohen Hydraulikdruck.

Aber trotzdem: Feuchtes LHS sollte man grundsätzlich tauschen, denn seine Viskosität ist ja auch geringer und die Korrosionsgefahr steigt.

Durch Hitze (Herd) kann man es übrigens nicht gut aufbereiten, da ja leider auch andere Stoffe sich dann verflüchtigen. Aber im Exsikkator kann man es anscheinend tatsächlich gut "trocknen". So ein Exsikkator + Vakuumpumpe hätte sich für jeden DS-Besitzer also nach zwei oder drei gesparten LHS1/2-Wechseln schon amortisiert: LHS1/2 ablassen, im Vakkuum das Wasser wieder rausziehen und dann "recycled" wieder einfüllen. Irgendwann wird es aber natürlich ranzig (wegen des Rizinusöls).

Gruß,
Ekki
Ekki
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Re: Première-DS: Original LHV / LHS1 im 21.Jahrhundert

Beitrag von Ekki »

So, hier mal ein Überblick über die Viskositätseigenschaften. Absolute Viskositätswerte sind nach der Auslaufbecher-Methode nicht genau genug, aber zum Vergleich untereinander ist sie ganz gut geeignet:


Bild


Man sieht: LHS1 ist ein wenig höherviskos, als LHS2. Bei höheren Temperaturen liegen die Durchlaufzeiten (und damit die Viskositäten) aber sehr nahe beieinander. Diese Temperaturen sind auch gleichzeitig die besonders relevanten, weil die typische Arbeitstemperatur laut Citroën-Unterlagen bei 50°C liegt. Ob die minimal höhere Viskosität von LHS1 ausreicht, um merkliche Unterschiede in der Automatik usw. zu spüren, wage ich nicht zu beurteilen.

Deutlich werden die Abweichungen aber ab Zimmertemperatur und darunter: Das LHS1 wird kalt im Vergleich „richtig dick“, das kann sicherlich zu Problemen im Winter führen, mindestens aber zu merklichen Unterschieden. Dies wurde bei LHS2 mit Zusätzen offensichtlich verbessert.

Gruß,
Ekki
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