Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Diskussionen rund um's Thema...
papasitt
Beiträge: 1130
Registriert: Do 21. Aug 2008, 16:50

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von papasitt »

CITROËN Werbespruch “Das sicherste Auto der Welt“

klick hier Erste Seite unten
Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von Gerhard Trosien »

Ein leider schon verstorbener Freund von mir aus dem Elsaß hat sich einmal in seinem Leben einen Neuwagen gegönnt: einen ID19, noch ohne Gurte. Mit dem ist er mit gut 140 auf ein stehendes Auto aufgefahren. Ein vorderer Kotflügel war das einzige nicht total zerstörte Karosserieteil, weil es sich gelöst hat und allein in der Gegend rumgeflogen ist. Er hatte danach Schmerzen in der Brust, mit der er ins Lenkrad gekracht ist, alle anderen Verletzungen waren leicht und oberflächlich. Die Schmerzen gingen dann wieder weg.
Seinen Lungenriss, den er bis zuletzt spürte, holte er sich bei einem anderen Unfall mit einem anderen Auto.
Benutzeravatar
hgk Verified
Beiträge: 2522
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 20:03

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von hgk Verified »

Moin,

was lee(h)rt uns das?

Nicht mehr anschnallen, die Physik vergewaltigen?
Noch schneller fahren, weil das Auto so sicher ist?

Das erinnert mich schwer an den 130 jährigen Raucher ...
MsG
Hans

Bild
Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von Gerhard Trosien »

Das sind auf gar keinen Fall Appelle, zukünftig das Anschnallen wegzulassen, sondern Hinweise darauf, dass die D-Modelle zu ihrer Zeit ganz extrem sichere Autos waren, und dass sie heute, mit Gurt, ganz sicher keine lebensgefährlichen Kisten, von denen es mit H-Kennzeichen eine ganze Menge gibt, sind.
Manfred
Beiträge: 201
Registriert: Do 14. Jan 2016, 23:40

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von Manfred »

[quote="Gerhard Trosien"]
Ein leider schon verstorbener Freund von mir aus dem Elsaß hat sich einmal in seinem Leben einen Neuwagen gegönnt: einen ID19, noch ohne Gurte. Mit dem ist er mit gut 140 auf ein stehendes Auto aufgefahren. Ein vorderer Kotflügel war das einzige nicht total zerstörte Karosserieteil, weil es sich gelöst hat und allein in der Gegend rumgeflogen ist. Er hatte danach Schmerzen in der Brust, mit der er ins Lenkrad gekracht ist, alle anderen Verletzungen waren leicht und oberflächlich. Die Schmerzen gingen dann wieder weg.
Seinen Lungenriss, den er bis zuletzt spürte, holte er sich bei einem anderen Unfall mit einem anderen Auto.[/quote]

Eine interessanter Ansatz um zu bewerten, ob jemand, ganz egal in welchem Auto er sitzt, noch Überlebenschancen bei einem Frontalzusammenstoß (".. ohne Gurte. Mit dem ist es mit gut 140 auf ein stehendes Auto gefahren.") hat.
Ich hatten im Rahmen einer Physik-Arbeit genau diese Aufgabe bekommen, die Überlebenschance eine Autofahrers, der ohne Gurt einen Zusammenstoß mit einer bestimmten Geschwindigkeit X auf einen stehenden Gegenstand mathematisch zu bewerten.
Dies ist natürlich eine komplizierte Überlagerung von Beschleunigungen (PKW, Lenkrad, Brustkorb/Kopf), die zum Teil addiert oder subtrahiert werden müssen, aber entscheidend dabei ist, mit welcher Geschwindigkeit Brustkorb/Kopf auf das Lenkrad knallen und um wie viel cm das Lenkrad dabei nachgibt. Die sich dabei ergebene Beschleunigung ( m/s²) wird im Verhältnis zur Erdbeschleunigung 9,8m/s² (1g) gesetzt. Bei 1g stehen wir still oder bewegen uns mit einer konstanten Geschwindigkeit. Ab einer Beschleunigung (die kann positiv oder negativ behaftet sein) von kurzfristig größer 80g ist man garantiert tot. Kracht jemand mit seinem PKW frontal auf einen stehenden Gegenstand, ist egal wie schnell sich die PKW's aufeinander zubewegen, entscheidend ist ja, mit welcher Geschwindigkeit der Brustkorb/Kopf letztlich auf das Lenkrad knallen wird und um wieviel cm das Lenkrad nachgibt.
Ganz grob gesagt gilt: Bei einem Frontalunfall mit Gurt wird die Knautschzone vom PKW genutzt, ohne Gurt nur die Knautschzone vom Lenkrad.
Bei einem Frontalcrash ohne Gurt mit 140km/h auf einen stehenden Gegenstand haben wir grob gesagt Beschleunigungswerte von 400g - 800g , also 5 - 10-facher Wert zur maximalen Beschleunigung die ein Mensch überleben kann. Wir erinnern uns da auch an den Crash mit Lady Di, die in einer dicken Mercedes-S-Klasse W140 mit ähnlicher Geschwindigkeit im Pariser Tunnel bei dem Frontalcrash gestorben ist. Auch alle anderen Personen im Auto, die nicht angeschnallt waren, hatten diesen Unfall nicht überlebt, nur der angeschnallte Leibwächter überlebte.

Ich würde sagen, dass aufgrund der besonderen Konstruktion des Lenkrads bei einem Frontalcrash die Überlebenschancen ohne Gurt in einer ID/DS doppelt so hoch sind wie bei damals anderen PKW's.

Vielleicht hatte dein Freund es ja doch noch geschafft, seine ID19 in einer reflexartigen Notbremsung von 140km/h auf ca. 50km/h runter zu bremsen? ;-)

Manfred
MfG
Manfred
Hans-Uwe Fischer
Beiträge: 1834
Registriert: Do 30. Jan 2003, 08:27

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

Moin,

ganz so "semi-statisch" würde ich die Vorgänge nicht sehen. Fahre ich z.B. auf ein stehendes Auto mit 100 km/h auf und sitze nahe vorm Lenkrad, dann kann während des Aufschlags aufs Lenkrad das Fahrzeug noch 50 Km/h fahren. Es befindet sich sozusagen noch im Knautschbereich und ist noch am Verzögern. Der Aufprall aufs Lenkrad wird also deutlich entschärft.

Diese Situation ist abhängig von der Masse des eigenen Fahrzeugs. Ist die Masse, so wie bei der ID/DS sehr gross und die Gesamtstrecke der einzelnen Knautschzonen entsprechend lang*, so wie bei der ID/DS, gibt es spürbare physikalische Vorteile gegenüber anderen Fahrzeugen.


*) Dazu wird auch die Knautschzone des stehenden Fahrzeuges mitgerechnet.

HUF
priusb78 Verified
Beiträge: 2013
Registriert: Di 9. Jul 2013, 14:42

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von priusb78 Verified »

So richtig neu ist das "Crash-Thema bei der DS" ja nicht - aber auch nicht beantwortet! Wir haben nur mehr oder weniger glaubhafte Beispiele und Fotos. Aber wie "sicher" oder "unsicher" im Vergleich zu einem modernen Auto ist die DS denn wirklich?

Klar, kein Mensch wird eine gut erhaltene in einem Crash-Test an die Wand fahren, aber hat das wirklich noch niemand mit einem schrottreifen Fahrzeug gemacht? Oder wenigstens eine Simulation berechnet? Wie würde ein D-Modell denn beim aktuellen NCAP abschneiden? Mit und ohne Gurt?

Gruß Thorsten
D Super 5, Bj. '74, brun-scarabée aus Italien
Jint Nijman Verified
Beiträge: 2069
Registriert: Fr 14. Feb 2003, 23:11

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von Jint Nijman Verified »

[quote=priusb78]
Wie würde ein D-Modell denn beim aktuellen NCAP abschneiden? Mit und ohne Gurt?
[/quote]
Mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit "Katastrophal" oder "Unterirdisch" oder...
Vergleiche z.B. mal die A- und B-Säulen eines D-Modells mit die von ein modernes Auto.
Mit modern meine ich jetzt z.B. ab 1990. Man könnte ja einen XM als Vergleich heranziehen.
Jint
www.citroen-ds-id.com
Kuhno
Beiträge: 263
Registriert: Mo 12. Jan 2015, 13:21

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von Kuhno »

Die DS ist sicher weniger katastrophal unsicher als seine Zeitgenossen, Mercedes mal ausgenommen, die haben da schon sehr früh viel getan.

Als Oldtimerliebhaber ist die Unfallsicherheit für mich kein Thema, wäre es eins, hätte ich keine. Motorrad dürfte man so gesehen überhaupt nicht fahren

No risk no fun!
Manfred
Beiträge: 201
Registriert: Do 14. Jan 2016, 23:40

Re: Göttin als erster europäischer Großserienwagen mit Servolenkung?

Beitrag von Manfred »

[quote="Hans-Uwe Fischer"]
Moin,

ganz so "semi-statisch" würde ich die Vorgänge nicht sehen. Fahre ich z.B. auf ein stehendes Auto mit 100 km/h auf und sitze nahe vorm Lenkrad, dann kann während des Aufschlags aufs Lenkrad das Fahrzeug noch 50 Km/h fahren. Es befindet sich sozusagen noch im Knautschbereich und ist noch am Verzögern. Der Aufprall aufs Lenkrad wird also deutlich entschärft.

Diese Situation ist abhängig von der Masse des eigenen Fahrzeugs. Ist die Masse, so wie bei der ID/DS sehr gross und die Gesamtstrecke der einzelnen Knautschzonen entsprechend lang*, so wie bei der ID/DS, gibt es spürbare physikalische Vorteile gegenüber anderen Fahrzeugen.


*) Dazu wird auch die Knautschzone des stehenden Fahrzeuges mitgerechnet.

HUF[/quote]

Ich habe mal auf die Schnelle ein youtube-Crash-Video heraus gesucht. Gleich der erste Crashtest ohne Gurt bei 50(!) km/h zeigt hier, daß zumindest beim Crash auf die Betonwand das Auto vollständig zum stehen gekommen ist, bevor die Puppe auf das Lenkrad knallt.

Crashtest mit 50km/h ohne Gurt

Noch besser: Hier testet Quarks & Co. einen Unfall mit einem modernen Golf mit Airbag, angeschnalltem Fahrer usw. und eine verformbare Barriere wie ein vorrausstehendes Auto. Der Gutachter geht hier auch auf die zu erwartenden Beschleunigungskräfte des Unfallopfers ein.

Quarks und Co. Chrashtest mit 100km/h

Manfred
MfG
Manfred
Antworten