Servolenkung

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tomsail
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Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: Servolenkung

Beitrag von tomsail »

hallo ihr beiden,

keine dichtug (ich komm mir schon vor wie beim rosenkranz-beten :-) )

aber eine nut ist da!
die nut ist ein "absatz". davor ist die passung etwas weiter, hinten ist die "präzisionspassung" in welcher der kolben läuft.
das ist im maschinenbau gängige praxis und fertigungs- und montagebedingt.
zusätzlich entsteht dadurch noch eine art "microlabyrinth" das den schmutz von der eigentlichen präzisionspassung fernhält.

grüße
thomas
---
Bernhard(Süd) Verified
Beiträge: 1294
Registriert: Mo 16. Okt 2006, 17:00

Re: Servolenkung

Beitrag von Bernhard(Süd) Verified »

Hallo Kollegen,

..das wäre super, Nils, wenn Du Nachfertigungsmöglichkeiten auftun könntest !

Allerdings
hat Herr Petermann mal berichtet (ich zitiere hier nur!), daß die Passung auf 1µ (EIN my!) genau sei und daß es Niemand gebe, der solche Teile im vertikal-Honverfahren ausreichend genau herstellt. Er jedenfalls habe viele Jahre lang gesucht und anscheinend geeignete Firmen Probestücke anfertigen lassen, aber ohne verwertbaren Erfolg.
So ist der bisherige Stand,- LEIDER.

(Daß das in Großserie für entsprechendes Geld herstellbar ist, ist klar.
Außerdem könnte man jetzt auch die 1- µ-Passung bezüglich der Unterschiede Meßtoleranz-Fertigungstoleranz-Messen von Radius oder Durchmesser usw. usw. diskutieren...! Wurde hier im Forum zT vor geraumer Zeit schon angeschnitten).

Grüße:
Be
(Citroenfahrer seit 1980, wie schön :-) )
Nils Oehler
Beiträge: 340
Registriert: Fr 8. Jun 2007, 21:46

Re: Servolenkung

Beitrag von Nils Oehler »

Es ging mir zunächst einmal darum, zu verstehen, wo eigentlich das Problem bei der Servolenkungsüberholung liegt. OK ich denke das ist jetzt klar. Ich hatte eigentlich erwartet dass es an Verschleiß des Hydraulikzylinders liegt. Bisher hatte ich auch immer nur von Undichtigkeiten in diesem Bereich gehört. Das es zu Verschleiß an den Steuerventilen kommen kann war mir neu. Ich denke das Tomsails Erklärung korrekt ist das es sich bei der Nut um eine Labyrinthdichtung handeln könnte. Habe ich auch gerade mit zu tun, soll gegen Staub und Schlamm von russischen Straßen schützen.
Gut, wenn selbst H. Petermann da keine Nachfertigungsquelle auftun konnte, dann ist es unrealistich anzunehmen dass ich da mehr Erfolg haben werde. Aber ich versuche mal firmenintern Kontakt zu Kollegen von Lenksystemen aufzunehmen vielleicht ist da jemand mit solchen Problemstellungen vertraut.

Nils
Pit
Beiträge: 2899
Registriert: Fr 17. Jan 2003, 18:39

Re: Servolenkung

Beitrag von Pit »

Es wurde schon oft gesagt, dass diese kleinen Kolben in ähnlicher Form am ehesten in Einspritzpumpen vorkommen. Ich habe dazu mal (allerdings an der TUM, nicht vom Hersteller) die Information erhalten, dass in diesem Bereich immer noch passende Paarungen zusammengestellt werden. Aber vielleicht müssen diese Kolben bei ihrer schnellen Bewegung auch gar nicht so dicht sein?
Grüße
pit
Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Servolenkung

Beitrag von Gerhard Trosien »

Die Genauigkeit, die bei verschiedenen Citroën-Aggregaten gefordert wird, sind auch heute noch eine echte Herausforderung.

Citroën baute zur Fertigung der Hydraulikteile eine klimatisierte Reinlufthalle!
1/1000stel mm oder gar die Halfte davon war das Maß der Dinge zu einer Zeit, als der Zehntelmillimeter in der Autoindustrie gerade eben als erstrebenswertes Qualitätsmerkmal erkannt war.

Wenn Paul Mages jemals eine Ingenieurschule von innen gesehen hätte, hätte er vielleicht die eine oder andere Herausforderung im Vorfeld erkannt und das Hydrauliksystem wäre nie entwickelt worden.
Nils Oehler
Beiträge: 340
Registriert: Fr 8. Jun 2007, 21:46

Re: Servolenkung

Beitrag von Nils Oehler »

Hat jemand schon einmal den Kolben und die Zylinderbohrung bei einer gut funktionierenden Lenkung vermessen? Könnte ich vielleicht mal im Feinmessraum in der Mittagspause machen lassen :-).

Nils
Medi
Beiträge: 564
Registriert: Mi 18. Mai 2005, 16:24

Re: Servolenkung

Beitrag von Medi »

Ich habe schon einige Lenkungen abgedichtet. Selbst wenn man die zerlegten Teile in den Händen hält glaubt man gar nicht wie schwer es ist verlässlich zu sagen ob die Abdichtung Erfolg haben wird oder nicht. Das ganze bleibt meist ein reines Glücksspiel. Zudem kommt noch, dass am Markt unterschiedliche Dichtsätze mit nicht immer astreiner Qualität im Umlauf sind.

Dass Leute in der Vergangenheit Lenkungen mit neuen Dichtungen versehen haben und die Teile genauso undicht waren wie vorher, war schon sehr ärgerlich. Noch ärgerlicher ist, dass man nicht erfährt wer die Helden sind / waren, und man nach wie vor nicht sicher sein kann heute eine solche Lenkung zu erstehen.

Dass man eine DS-Lenkung in Wahrheit nie ganz dicht bekommen kann, dürfte wohl jedem einleuchten (siehe auch Cit-Rundschreiben: „Eine leicht undichte Lenkung bei sonstiger Funktion ist kein Grund für einen Austausch“, und TM706 im Jahr 68: „…bildet sich am Ende der Schieber und an den Dichtungen am Drehverteiler Feuchtigkeit, die als normal gilt…“). Mich würde interessieren wer eigentlich diese Lenkung verbrochen hat. Dieser Spaßvogel hätte sich durchaus fragen können warum die Jungs beim Federzylinder, etc. Rücklaufleitungen vorgesehen haben. Die SM-Lenkung hat später dann jedenfalls Rücklaufleitungen bekommen. Die Lenkung ist da natürlich genauso undicht, man merkt es bloß nicht.

Vielleicht kennt der eine oder andere noch div. Anleitungen aus den 80ern wo einige Freaks versuchten zusätzliche Nuten für Dichtungen zu drehen und der DS-Lenkung so Rücklaufleitungen zu verpassen.

Es wird viel diskutiert ob es möglich ist neue Kolben anzufertigen oder nicht, oder ob nur Citroën das konnte, …

Ich möchte hier keine Empfehlung abgeben, niemandem schaden oder nutzen, ich gebe nur meine Erfahrungen und Beobachtungen weiter:

In diesem Toleranzbereich zu fertigen ist heute wirklich kein Problem mehr. Bei einer derart geringen Stückzahl ist das natürlich eine Frage der Kosten. Mal ehrlich, wie viel wären wir bereit für eine 1:1 Lenkung zu zahlen?

Es wird immer geeifert wie toll es war dass Citroën die Teile zuletzt nicht mehr paaren musste, dass die Maßhaltigkeit so genial genau war …
Klar, wenn ich viele Millionen Höhenkorrektoren herstelle macht es einen Unterschied ob ich einen Kolben blind aus einer Schachtel nehmen kann und ohne zu denken in einen Zylinder stecke, oder ob ich erst aus mehreren Gruppen einzelne Paare durch Messung oder Versuch auswählen muss.

Bei den paar Lenkungen die heute pro Jahr über den Tisch gehen, wäre eine derartige Fertigung völlig überzogen. IMO: Back to the roots, wie zu Beginn bei Cit, läppen und hohnen bis es passt – so what? Dass das funktioniert zeigen ein paar Leute die die Lenkung nicht einfach nur abdichten sondern Teile wie Steuerzylinder und sogar Kolbenrohr neu anfertigen.

Wie die meisten von uns steuere ich auf dem Weg zu Treffen und Messen gerne div. Gurus, Schrottplätze oder Hersteller an. Unvergesslich für mich der Besuch bei Meister Ruud! Ich durfte ihm einige Stunden bei seiner Arbeit über die Schulter blicken:
Neue Steuerkolben werden gedreht, gehärtet und geläppt. Der Durchmesser wird „nur“ grob gemessen und geläppt bis der Kolben exakt zylindrisch ist. Die Zylinder werden gehohnt um Abriebstellen zu beseitigen. Dann probiert man nacheinander einige Kolben ob sie in den Zylinder passen. Gewonnen hat man wenn man einen findet der sich ein bis zwei mm einführen lässt. Meister Ruud hat eine einfache Halterung auf der Maschine gebastelt mit der er das Steuerteil in 2 Sekunden auf die Maschine spannen kann. Danach: 3 Sekunden hohnen, Teil rausnehmen und Zylinder einführen, 2 Sekunden hohnen, wieder probieren, eine halbe Sekunde hohnen, … bis es passt. Der Mensch kann hier mehr als jedes Messgerät. An dieser Stelle etwas zu messen oder über Messungen und DIN-Normen zu diskutieren finde ich unsinnig.
Wichtig sind die Reinigung der Teile und die Temperaturanpassung. Ein Gefühl wie satt der Kolben gleiten muss entsteht mit der Praxis. Alle Teile die Ruud fertigt, kommen auf die Prüfbank und müssen unter Druck einem Test bestehen. Auf diese Weise fertigt er nicht nur Lenkungsteile sondern auch Bremsventile, Höhenkorrektoren, etc.

Einige der Abdichter lassen sich eigene Dichtungen anfertigen. Speziell im Lenkkopf gibt es Leute die auf geänderte Dimensionierungen und Materialien schwören. Auch Ruud verwendet eigene Dichtungen. Statt PTFE kommt z.B. ein blaues Material zum Einsatz.

Jetzt würde mich interessieren wo die Gerüchte her kommen, dass eine solche Anfertigung nicht funktioniert oder nichts taugt. Gibt es verlässliche Erfahrungen oder fällt das unter dieselbe Rubrik, dass die Hydraulik von Citroën angeblich nur Probleme machen würde?

Ich suche noch ein paar Bilder und werde sie demnächst reinstellen.

L.G.
Dietmar
Pit
Beiträge: 2899
Registriert: Fr 17. Jan 2003, 18:39

Re: Servolenkung

Beitrag von Pit »

Kann mir bitte jemand sagen, wer Meister Ruud ist? Gibts den im Internet?
Viele Grüße
pit
Bernhard(Süd) Verified
Beiträge: 1294
Registriert: Mo 16. Okt 2006, 17:00

Re: Servolenkung

Beitrag von Bernhard(Süd) Verified »

Hallo,

das ist ja eine hööööööchst erfreuliche Nachricht, Medi!

War mir echt neu (daß das überhaupt geht mit den neuen Steuerkolben, und daß es einen Herrn Ruud gibt).

Nun gehts natürlich erst los mit der Fragerei: Macht der Herr so etwas im Auftrag, wie sieht die Kostenseite aus, usw. usw......

(Wobei ganz nebenbei schon auch die meßtechnische Seite der Sache -rein akademisch sozusagen- und auch ein Bildartikel über die Fertigung recht spannend wäre!!!).

Neu und gierig:
Be
(Citroenfahrer seit 1980, wie schön :-) )
Medi
Beiträge: 564
Registriert: Mi 18. Mai 2005, 16:24

Re: Servolenkung

Beitrag von Medi »

anbei ein paar Bilder

7776a Ruud von citrotech.nl

7766a Hohnen der Zylinder (fürs Foto mit stehender Maschine ohne Ölstrahl)

7752s eine originale Cit-Lenkungsprüfstation
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