Hallo,
Ich glaube, es ist doch in unser aller Interesse, möglichst sachlich das Thema aufzurollen, wenn wir Ergebnisse wollen. Können wir uns darauf einigen?
Ok, dann versuche ich mal den Anfang zu machen.
1) Was wissen wir:
- In diversen Büchern, auf NuancierDS, Wikipedia usw usw steht, dass Citroens erste Hydraulikflüssigkeit ein "Hydraulisches Pflanzenöl" in roter Farbe war und keine Polyglykol-Bremsflüssigkeit. (Einfach mal googeln oder Bücher wälzen, wen es interessiert). Dies wurde von erfahrenen Ur-DS Besitzern auch bestätigt, die sich schon lange mit dieser Materie befassen.
- Ur-DS Besitzer, die dieses "Liquide hydraulique vegetale" / "LHV" im Einsatz haben, berichten von Vorteilen: Bessere Schmierung, weniger Verschleiß, kein Verkleben der Bremsen, weniger Hygroskopie, keine Korrosion, schöne rote Farbe (Scherz!).
- Es gibt aber logischerweise auch Nachteile, die Citroën zu einer Änderung bewegten: Nicht sehr kältetauglich, verklumpt bei langer Nutzung oder Standzeit, muss also auch hin und wieder gewechselt werden. Für eine Alltagsnutzung macht es LHV ziemlich unzuverlässig, aber für unsere Oldtimer-Sommernutzung sind das eigentlich keine relevanten Nachteile im Vergleich zu den Vorteilen der Systemschonung.
Aus diesen Ergebnissen heraus sind Ralf und ich der Meinung, dass LHV eine echt anstrebenswerte Alternative ist. Also muss man "forschen":
2) Beobachtungen / Recherche zu pflanzlichen HydraulikÖlen für Automotive
- Erforscht man alte Patente zu Hydraulik-Flüssigkeiten, findet man dutzende Patente, die bestätigen, dass Rizinus-Öl die Hauptkomponente ursprünglicher Hydraulik / Bremsflüssigkeiten war.
- Erforscht man dieses Thema weiter im Netz, so stellt man fest, dass "DOT 2" Öle tatsächlich natürliche "Rizinus / Alkohol" Mischungen waren.
- Wegen schlechter Temperatureigenschaften, mangelnder Hygroskopie und Problemen bei Scheibenbremsen hat man weiter geforscht und Polyglykol / Rizinusverbindungen verwendet (Patente googeln). Mit "DOT3" hat man dann auf synthetische Bremsflüssigkeit umgestellt, deren Hygroskopie übrigens nicht ungewollt ist (was aber hier nichts zur Sache tut).
- Castrol (Castor Oil) Lukas Girling waren die Hauptproduzenten von "DOT2" Ölen. Das Öl ist im Laufe der 70er Jahre vom Markt verschwunden, weil alte und neue Systeme auf synthetisches DOT3 jahrelang umgestellt wurden.
3) Parallelen zu Citroën
Setzt man obige Ergebnisse in Bezug zu Citroën, so stellt man fest:
- In einigen Publikationen ist genauer erwähnt, dass das Ur Citroën LHV ein Pflanzenöl auf Rizinus-Basis ist. Das ist schonmal ein Anhaltspunkt.
- Da nahezu alle "1st Generation Automotive Hydraulik Öle" auf Rizinusbasis waren, dies sogar der gängige "DOT" Standard war, ist es nicht abwegig, davon auszugehen, dass Citroën dieses ebenfalls als Basis verwendet hat.
- In diversen Patenten ist auch erläutert, dass Rizinus damals das einzige Pflanzenöl mit brauchbaren Eigenschaften und zudem auch noch mit Naturkautschuk-Dichtungen kompatibel war. Die UR-DS verwendet Naturkautschuk-Dichtungen, die für LHS2 auch tatsächlich getauscht werden mussten. Dies erhärtet den "Rizinus-Verdacht" weiter.
- Die von Ur-DS Kennern beschriebenen LHV Beobachtungen decken sich alle mit den Erfahrungen, die man zu "DOT2" Hydraulikölen finden kann. Googelt man das Thema, finden sich Berichte, die so klingen, als wären sie von DS-Fahrern geschrieben, so gleich sind die Erfahrungen.
- Zumindest ich habe kein damalig anderes Pflanzenöl für Hydraulikanwendungen in Autos finden können. Es läuft immer auf Rizinus heraus.
- Der Wechsel DOT2 (Rizinus) -> Dot3 (Synthetisch) brachte auch zahlreiche Glykol-Rizinus Mischungen. Genau wie bei LHV -> LHS2 (was auch Rizinus enthält). Auch diese Parallelen sind bemerkenswert.
- Beide Flüssigkeiten (DOT2 / LHV) sind rot. Das ist natürlich das schwächste Argument, aber: Die natürliche Färbung von Rizinus / Butanol Mischungen ist tatsächlich rot! Auch das ist bemerkenswert.
Diese ganzen Parallelen lassen mich den Quellen / Publikationen Glauben schenken, die das originale Citroën Hydrauliköl als "Pflanzenöl auf Rizinusbasis" einstufen und es Parallelen zwischen DOT2->DOT3 und LHV->LHS2 gibt.
Von daher wäre es mein nächster Ansatz, zu erforschen, ob es irgendwo auf der Welt noch "DOT2" Hydrauliköle gibt. Das ist nicht leicht, denn nicht nur bei Citroën wurde das Zeug im Laufe der 60er Jahre eingestellt, sondern auch auf dem Rest der Welt.
Und wenn man eines findet, wir des natürlich nicht identisch zu Citroens LHV sein (Stichwort Viskosität). Aber vielleicht kann man das als Basis für weiteres "Reverse Engineering" nehmen.
Also, wer von Euch weiß was zum Thema "DOT2" / Castrol / Girling ?
Gruß,
Ekki