Hallo Andreas,
Deine Euphorie und die der anderen Foren-Mitglieder kann ich nicht so ganz teilen.
Andreas Formann hat geschrieben:
fährt, lenkt, bremst absolut einwandfrei !!!
Das ist zwar prima, – aber leider nur die halbe Miete.
Eine Servolenkung kann noch ganz gut funktionieren, wenn die aber leckt (musst Du schon mit einer Taschenlampe tief in den Motorraum und die Kotflügel eintauchen, um das zu sehen), kommst Du nicht durch den TÜV (den der Wagen jetzt ja wohl nicht hat).
Leckende Servolenkungen kommen beim DS häufig vor.
Eine gute überholte Servolenkung ist sehr teuer und Du musst vorn das ganze Auto auseinander rupfen (Kotflügel vorne abbauen), um die auszutauschen.
Es gab übrigens früher auch D-Modelle in abgespeckterer Ausstattung (ID und DSuper) ohne Servolenkung, bei denen können Lenkungen mangels Hydraulik nicht lecken. Was nicht da ist, kann auch nicht kaputt gehen
Außerdem ist bei denen die Hydraulik einfacher und kostengünstiger (im Reparaturfall) aufgebaut.
Andreas Formann hat geschrieben:
ungeschweisst !!!
Woher weißt Du das? Sagte das der Verkäufer?
Hast Du eigentlich schon mal einen ungeschweißten Schweller bei einem DS gesehen?
Andreas Formann hat geschrieben:
Unterboden und Schweller soweit erkennbar sehr gut, auch Innenschweller und Bodenbleche....
Hat der Wagen etwa mal eine Hohlraumversiegelung bekommen?
Der Schweller ist beim DS nämlich sehr kompliziert aufgebaut. Da überlappen sich an vielen Stellen die Bleche. Erst recht am tiefsten Punkt, wo sich Wasser sammeln kann.
Deshalb ist das Durchrosten der Schweller geradezu vorprogrammiert.
Ich habe Dir mal einen Auszug aus dem deutschen originalen Karosserie-Reparaturhandbuch von Citroën aus dem Jahr 1968 angehängt (das eingescannte Handbuch als PDF war leider zu groß, um es hier hochzuladen):
[attachment 14182 DSSchwellerreparatur1968.png]
Oben rechts siehst Du den Schweller in einem Schnitt (XY) und wie kompliziert der aufgebaut ist.
Vermutlich mit Einführung der versenkten Türgriffe und der anderen Türschlösser wurden anscheinend auch noch zusätzliche Verstärkungsblech unten und oben auf den Schweller "gepappt", sodass dann sogar drei Bleche übereinander lagen und sich die Rostgefahr noch weiter erhöhte, siehe Abbildung aus dem originalem Karosserie-Reparaturhandbuch von 1973:
[attachment 14183 DSSchwellerreparatur1973.png]
(Ich meine die neu dazugekommenen Bleche 4 und 6 in der Abbildung)
"So weit erkennbar" ist sowieso gut ausgedrückt, denn zwischen Außenschweller und Boden (also auf der linken Seite beim Schnittbild) ist dann normaler Weise noch ein Blech angeschraubt, das den Innenschweller schön verdeckt. Dahinter kann fürchterlich der Rost wüten. Das Blech habe ich händisch rot skizziert:
[attachment 14184 DSSchwellerreparatur1973mitWaffelblech.png]
Ich würde mir deshalb
auf jeden Fall ein Endoskop mit möglichst langer Fiberoptik besorgen und damit alle Hohlräüme gründlich untersuchen. Auch die Türen, denn die könnten ja auch schon mal mit Reparaturblechen geschweißt worden sein.
Endoskope mit einem im Griff eingebauten kleinen Display gibt es ab 50,– € im Internet. Meist wird auch ein Aufsatzspiegel mitgeliefert, um abgewinkelt gucken zu können (den vorsichtshalber mit Klebeband fixieren, geht sonst schnell verloren, wenn man an einer Ecke hängen bleibt).
Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit einer Endoskopkamera gemacht, die einen USB-Anschluss besitzt. Die kann man wie eine Webcam ans Notebook anschließen, man hat dann einen sehr großen Bildschim und kann alles sogar aufzeichnen.
Zusätzlich hat mein Teil auch noch einen WLAN-Sender, sodass man auch drahtlos das Bild auf ein Handy oder Tablet übertragen kann. In 5 m Länge habe ich dafür nur ca. 20,– € dafür bezahlt.
---
Abgesehen davon waren die Autos damals mit Tonnen von Antidröhnmasse zugekleistert. Darunter kann auch fröhlich der Rost blühen, ohne dass Du es auf den ersten Blick siehst.
---
Worauf Du noch unbedingt achten solltest: Die Kofferaumkanten, auf denen die Kotflügel aufliegen, rosten gerne durch oder gammeln auf ganzer Linie weg.
Also unbedingt den Kofferdeckel öffnen und nachschauen. Am besten auch die Kotflügel abnehmen.
---
Und wenn die ab sind, dann kann man auch schnell mal die Abdeckbleche der Hydraulik in der Ecke zwischen C-Säule und Kofferaumwand abnehmen. Da drunter kann es auch füchterlich lecken und gammeln (nicht nur am Blech, sondern auch an den Hydraulikleitungen).
Von dort würde man auch gleich in die Holme mit dem Endoskop reinkommen.
---
Andreas Formann hat geschrieben:Die Hydraulik geht einwandfrei, macht aber ca alle 7 Sekunden Drrrrrr Klack.....
Ganz ehrlich: Mir wäre ein Verkäufer suspekt, der in diesem Zustand einen DS gefahren ist und ihn in diesem jetzt verkaufen will.
Z.B.: Wenn der Druckspeicher (sehr günstig) defekt ist, kann auch schnell die Hochdruckpumpe kaputt gehen/sein (sehr teuer), da bei defektem Druckspeicher Spannungsspitzen entstehen, die das Pumpengehäuse nicht aushält, wodurch es zu Haarrissen kommt.
Ich hatte bei Ulf Petermann (Fachmann für Hydropneumatik, leider bereits verstorben) schon viele solcher defekten Pumpen im zerlegten Zustand und deren Haarrisse gesehen.
---
Welche "Provenienz" haben denn eigentlich Fahrzeug und Verkäufer?
Hat das Fahrzeug eine lückenlose Historie?
Warum will er den Wagen verkaufen?
Wie lange hat er ihn schon?
Kennt er sich mit DS aus?
---
Was mich besonders skeptisch macht:
Wenn der Wagen so ungeschweißt rostfrei ist und alles funktioniert, warum fährt er denn damit nicht einfach zum TÜV.
(Die verrosteten Türen sind kein Grund, nicht durch den TÜV zu kommen solange sie nicht rausfallen).
Selbst wenn der Wagen nicht durchkommt, so hat man doch wenigstens einen Mängelbericht vorliegen und weiß dann schon mal grob, woran man ist.
Für mich sieht es so aus, als ob der Verkäufer Angst hat, dass da schlimme Sachen bei rauskommen würden oder könnten.
Ohne TÜV-Bericht würde ich den Wagen auf keinen Fall kaufen.
Die 85,– € für eine TÜV-Durchsicht sind doch ein Klacks im Verhältnis zu dem von ihm verlangten Preis von 11.000,– €.
Andreas Formann hat geschrieben:
Das Auto könnte ich für 11.000.- bekommen und dann entsprechend investieren....
Die Substanz ist auf jeden Fall gut aber hört sich das für Euch (trotz der notwendigen Arbeit) als ein interessantes Projekt an????
Ich wäre angesichts der o.g. ungeklärten Problempunkte und weil kein TÜV-Bericht vorliegt sehr skeptisch bzw. würde stark runterhandeln, wenn Du z.B. auch noch eine leckende Lenkung oder verborgene Rostschäden findest.
---
Ich persönlich würde so ein Auto sowieso grundsätzlich nicht kaufen, sondern einen Wagen bis max. Bj. 1971, da irgendwann ab 1972 schlechtere Blechqualität verwendet wurde und die letzten Baujahre anscheinend auch noch die zusätzlichen Bleche auf den Schwellern sowie am Boden als zusätzliche Rostgefahr hatten.
Ab 1972/1973 hatten fast alle Autohersteller günstige Bleche aus Kompensationsgeschäften mit der UDSSR gekauft, was man aber schon nach einigen Jahren merkte.
Die Bleche hatten den Rost schon im Blech drin, da die Russen – um Roheisen zu sparen – einen zu hohen Anteil an verrostenen Schrott in die Schmelze geschmissen haben.
Z.B. wurden die ersten Golf bereits nach 4 Jahren klammheimlich von VW zurückgekauft und verschrottet. Einem Bekannten von mir brach das Auto zusammen, als er durch ein Schlagloch fuhr (Hinterachse riss aus der Karosserie).
Mein erster DS war Bj. 1973, hatte Halbautomatik und eine tolle Pallas-Ausstattung, war aber nach 10 Jahren so verrostet, dass bei Einsatz eines Werkstattwagenhebers (oder war es nur ein Unterstellbock?) unter dem hinteren Querträger (weil ich den Federstößel wechseln wollte), das Teil ins rostige Blech einbrach, obwohl dort mehrere Bleche übereinander sind und die Materialstärke dort mehrere Millimeter beträgt.
Ein Freund und ehemaliger Kommilitone von mir hatte einen '73er D Super 5. Der Wagen war rostmäßig ein Fass ohne Boden. Er hat Jahre gebraucht, bis er die ganzen Rostschäden beseitigt hatte und war dann immer noch nicht zufrieden.
Dann hat er sich später auf mein Anraten hin einen '71er in Frankreich gekauft. Da musste er später nach vielen Jahren in Deutschland (durchgehend Sommer- und Winterbetrieb) nur die Kofferraumkanten etwas bearbeiten.
---
Der 5. Gang beim D Super 5 nützt Dir übrigens auch nicht viel, weil das Getriebe recht kurz übersetzt ist und Du durch den 5. Gang keine niedrigeren Drehzahlen erreichst als mit einem Vierganggetriebe, also weder Lärm, noch den Spritverbrauch reduzieren kannst.
---
Abgesehen davon finde ich persönlich die Fahrzeuge mit den "alten" Türgriffen schöner, weil jedes D-Modell sie seit den 50ern hatte und sie besser zu einem Oldtimer passen als die "neumodischen" versenkten Griffe.
Aber das ist wie immer reine Geschmacksache
Viele Grüße
Marcus