Madame ins Schleudern gebracht

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Chris
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Madame ins Schleudern gebracht

Beitrag von Chris »

Gestern durfte Madame im TCS Schleuderkurs im Stockental mal zeigen was sie kann.
http://maps.google.ch/maps?q=stockental ... h&t=h&z=17

Fazit: altes Auto ist nicht so schlecht wie vermutet.

Kurvenfahren auf Belag mit 50% Haftung erlaubte gleiche bis höhere Geschwindigkeiten als die modernen Mitstreiter. Wenn man es übertreibt und es zum Haftungsverlust kommt, schiebt Madame gemütlich über die Vorderräder, was sich mit einem simplen Gaslupfer problemlos wieder einfangen lässt. Einziger Kritikpunkt hier: die Lenkung gibt extrem wenig Rückmeldung und man merkt es sehr spät wenn die Haftung flöten geht.

Die anderen Autos (zwei neuere deutsche Premiumfahrzeuge, drei brandneue Japaner, zwei 10-jährige Volvos und ein neuer Opel Vivaro) schlugen sich hier auch gut, allerdings nur solange bis man mal versuchsweise die ESP Elektronik stilllegte: das einzige Auto welches so nebst der DS noch neutral blieb war ein Subaru Legacy, alle anderen waren entweder krass unter- oder sogar übersteuernd (BMW)

Beim Bremsen herrschte Gleichstand solange es nur ums Geradeausbremsen ging, da hier auch noch die Reaktionszeit (die bei einigen Kursteilnehmern beängstigen lange war) mitspielt, kam ich oft sogar noch früher als manches ABS-Fahrzeug zu stehen.
Beim Bremsen mit Ausweichen war der Fall natürlich klar, da brauche ich mit der DS bedeutend länger weil ich ja den Fuss von der Bremse nehmen muss um zwecks Ausweichen Lenken zu können. Die Fuhre bleibt aber auch bei zackigen Lenkmanövern immer sauber in der Spur. Natürlich hilft es, wenn man die richtige Blicktechnik anwendet und nicht dem sich bewegenden Hindernis hinterher guckt – die Hände lenken ja fast automatisch in die Blickrichtung. War immer wieder komisch, zuzusehen wie die Autos dem Wasserhindernis hinterher kurven bis sie es schliesslich auf dem imaginären Trottoir doch noch erwischen.

Richtig lustig war dann die letzte Übung, bei der das Fahrzeug mittels Versetzen nach links oder rechts (Die Richtung weiss man vorher natürlich nicht) der Hinterachse beim Befahren einer Schleuderplatte zum Übersteuern gebracht wird.
Madame bliebt dabei dank langem Radstand und weicher Aufhängung sehr ruhig und liess sich mit einem schnellen Gegenlenkmanöver jedesmal problemlos einfangen.

Die modernen Kollegen drehten sich bei dieser Übung zum Teil so elegant, dass der Instruktor anfing, Noten für die gezeigten Pirouetten zu verteilen. Einige schafften es trotz Hilfe vom Instruktor (Richtungsangabe) kein einziges Mal, ihr Auto einzufangen.

Manch einer mag sich zwar fragen ob es Sinn macht, ein Kulturgut so zu martern, aber erstens ist das ein Fahr- und kein Stehzeug, und zweitens kenne ich jetzt die Grenzen meiner DS noch besser. Gleichzeitig hat der Kurs auch das Vertrauen ins Auto gestärkt. Die HA hat die viele Anfahrerei ebenso problemlos weggesteckt wie die Kühlung das Stehen in der Kolonne und die Karosse das Bremsen und Ausweichen und die Schläge der Schleuderplatte.

Das einzige worum ich die Mitbewerber beneidet habe war deren Klimaanlage ;)

Gruss
Chris

DS 21 i.e. HA 1972, Sable métallise
symphatique
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Re: Madame ins Schleudern gebracht

Beitrag von symphatique »

Sehr sinnvoll diese Kurse.
Ich habe zwar sämtliche von Dir beschriebenen Fahrmanöver auch schon in der DS erlebt/genossen, aber dazu waren auch über 30 Jahre tägliches Fahren notwendig.
Insofern jedem DS-Gelegenheitsfahrer sehr zu empfehlen. Gerade weil sich die meisten ja hauptsächlich in ESP/ABS-Karren durch die Gegend manövrieren lassen und "echte"Fahrreaktionen nur aus 70er-Jahre -Filmverfolgungsjagden kennen...
"Das is´nich´kaputt! Das kann man reparieren!"
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Garvin
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Re: Madame ins Schleudern gebracht

Beitrag von Garvin »

Was haste denn bezahlt für so einen kurs?
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Chris
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Re: Madame ins Schleudern gebracht

Beitrag von Chris »

360 Franken, wurde aber von meiner Firma gesponsert. Es gibt auch spezielle Oldtimerkurse, die kosten gleich viel. Da werden die Fahrzeuge dann wohl allerdings sehr geschont, (sind einige sehr alte Modelle dabei) das wollte ich dann auch nicht.

Obwohl ich Vielfahrer bin und mich nicht über mangelndes Training beklagen kann, gehe ich da regelmässig hin. Einerseits um mich selber fit zu halten, andererseits auch immer wenn ich ein neues Fahrzeug im Fuhrpark habe, um zu sehen wie sich die Kiste im Grenzbereich verhält.

Davon abgesehen macht es mir einfach Spass :)
DS 21 i.e. HA 1972, Sable métallise
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Garvin
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Re: Madame ins Schleudern gebracht

Beitrag von Garvin »

da du es schon öfter gemacht hast: adac genauso oder schlechterbesser als andere anbieter oder kommts "auf die person an", die den kurs leitet ?
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Chris
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Re: Madame ins Schleudern gebracht

Beitrag von Chris »

Als Schweizer kenn ich den ADAC Kurs nicht und kann ihn auch nicht beurteilen - die TCS Kurse weichen in der Regel nicht gross voneinander ab, aber es gibt natürlich schon Unterschiede je nach Instruktor.

Die betrifft aber meist nicht das Fachliche, sondern eher das allgemeine Feeling (ist der Instruktor sattelfest bei kritischen Fragen, kann er den Stoff locker rüberbringen, behält er die Übersicht etc)

Einfach mal ausprobieren :)

Gruss
chris

DS 21 i.e. HA 1972, Sable métallise
marc
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Re: Madame ins Schleudern gebracht

Beitrag von marc »


Ich hab vor ein paar Jahren ein Sicherheitstraining vom ADAC mit gemacht. Da kann man mal bei den Versicherungen anfragen, die haben manchmal Aktionen für lau.
Ich fand es schon sehr sinnvoll und seit dem weiß ich dass Übersteuern wohl unmöglich ist, ich hab jedenfalls alles versucht, im Kreis sogar auf 3 Rädern.
Am Interessantesten fand ich mit den linken Rädern auf nassem VA Blech und rechts auf normaler Straße zu bremsen. Klar dreht sich das Fahrzeug aber die modernen Fahrzeuge haben bei diesem Test so gut wie gar nicht gebremst. Da frag ich mich was besser ist.

Allerdings war es ganz schön anstrengend, bei 30-40 Vollbremsungen ohne Gurt weiß man was man gemacht hat.

Viele Grüße
marc
tomsail
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Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: Madame ins Schleudern gebracht

Beitrag von tomsail »

marc schrieb:
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> bei
> 30-40 Vollbremsungen ohne Gurt weiß man was man
> gemacht hat.
>

jop, gurt nachrüsten vergessen! :-)
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