Text: Ulrich Knaack.
Leicht geänderter und korrigierter Auszug mit Genehmigung des Autors aus dem Buch „Citroën DS. Fahren Sie heute den Wagen von morgen“.
Modelle 1968 bis 1975 Die Änderungen zur dritten Frontgestaltung waren derart markant, dass selbst Auto-Laien sie bemerkten und heute noch als Unterscheidung von „alten“ und „neuen“ D-Modellen im Kopf haben. Ab September 1967 zeigte nämlich auch der Revolutionär unter den Autos seine eigene 68er-Revolution: Die neuen DS und ID hatten fortan Doppelscheinwerfer hinter Glas an einer nochmals geglätteten und überarbeiteten Frontpartie. Den Scheinwerfer-Entwurf hatte übrigens noch Flaminio Bertoni als letztes Werk hinterlassen, er war plötzlich im Jahr 1964 verstorben. Den Rest der neuen Frontpartie hatte das Designteam unter seinem Nachfolger Robert Opron gestaltet. Wieder hatten die Stylisten im Hintergrund natürlich etliche weitergehende Neuentwürfe erprobt, doch mit den Worten Robert Oprons anlässlich seines Besuchs zum 20. Geburtstag des deutschen DS-Clubs: „Wir suchten zwar damals sehr lang, wir fanden aber keine bessere Lösung für das Heck der DS, als es so zu belassen, wie es war.“
Dass die inneren Scheinwerfer hinter
der Glasabdeckung sich nun mit in die Kurven lenkten,
wurde von der Werbe- und vor allem der Presseabteilung
Citroëns groß herausgestellt. Dabei handelte
es sich dort nur um Zusatz-Fernscheinwerfer. Doch was
heute fast völlig sinnloser Zierrat ist, geeignet
nur für ganz wenige Momente beim nächtlichen
Fahren, bei denen niemand entgegen kommt und man Fernlicht
benutzen kann, war auf den deutlich leereren Landstraßen
um 1968 tatsächlich noch öfter nutzbar. |
|||
|
|||
|
|||
|
|||
Citroën war seit
1968 emsig um eine Modernisierung und Erweiterung des
Programms bemüht. Neben den D-Modellen und den diversen
Varianten auf Enten-Chassis, den so genannten A-Modellen,
gab es nach oben hin seit Frühjahr 1970 das SM-Coupé.
Im Herbst 1970 erschien endlich der lang ersehnte „Lückenfüller“ in
der unteren Mittelklasse in Gestalt des GS. Auch dieser
neue Wagen mit luftgekühltem Vierzylinder-Boxermotor
verfügte über das Alleinstellungsmerkmal zentral-hydraulische
Federung und Bremse, der Wagen hatte sogar rundum Scheibenbremsen.
Binnen Kurzem sollte er zu Citroëns Verkaufsschlager
werden, auch in Deutschland, und dem ersten Zweimillionen-Seller
der Marke. Vom GS (wie vom SM) entliehen sich die D-Modelle
im Herbst 1971 ihre letzte optische Retusche: Die Türgriffe
waren fortan genau wie bei den Schwestermodellen versenkt.
Das gab dem Auto nicht nur ein moderneres, noch glatteres
Aussehen, es war neben dem Unfallschutz auch ein weiteres
Detail im Hinblick auf den aerodynamischen Eindruck,
der den Wagen nun, 17 Jahre nach seiner Einführung,
immer noch „fortschrittlich“ aussehen ließen.
Ansonsten war das Zauberwort wieder Vereinheitlichung,
denn alle D-Modelle erhielten im Herbst 1971 die per
Pedal betätigte Feststellbremse, die vor dem Modelljahr
72 den hydraulisch geschalteten DS vorbehalten gewesen
war. |
|||
![]() Werbung Citroën, 1973 |
|||
Zwei technische „Gimmicks“,
wiederum im Programm eingeführt durch die SM-Modelle,
rundeten das Angebot der Technik-Auswahl bei den DS21
ab: Diese waren nun sowohl mit Klimaanlage (erkennbar
an kleinen Schlitzen in den Vorderstoßstangen)
als auch mit Vollautomatik von Borg Warner zu ordern.
Die wenig angepassten, in England produzierten BW-Automaten
drosselten die Höchstgeschwindigkeit einer Vergaser-DS21
auf 170 km/h, einer Einspritzer-DS21 auf 180 km/h, bei
deutlich um rund zwei Litern gestiegenem Verbrauch. Eine
teure Option für die Bequemlichkeit, auf den Gangwechsel
mit einem Finger (wie bei den „herkömmlichen“ hydraulisch
gekuppelten und geschalteten DS) ganz zu verzichten.
Die Kombination aller drei Optionen galt übrigens
in den Werkstätten schnell als „GAU“,
die Motorräume solch seltener DS21ie mit Klima und
Automatik wurden als „Schlangengrube“ bezeichnet,
denn nun ging (für damalige Verhältnisse) wirklich „nichts
mehr hinein.“ Die Betreuung solcher Fahrzeuge blieb, ähnlich
wie bei den SM mit dem Alu-Sportmotor, selbst in Vertragswerkstätten
einigen sehr geduldigen und vor allem bestens ausgebildeten
Spezial-Mechanikern vorbehalten. Wo diese fehlten, litten
die Fahrzeuge häufig bald an einem, von der Sache
her eigentlich völlig unverdient, schlechten Ruf,
sobald technische Probleme auftraten. |
|||
|
|||
|
|||
Der 75er Jahrgang der
D-Modelle war bereits durch den Nachfolger CX geprägt,
der in Paris am 1. September 1974 zum ersten Mal auftauchte,
danach auf dem Autosalon an der Porte de Versailles Premiere
hatte. Peu à peu wurde die DS-Produktion heruntergefahren.
Das Modell DSuper5 war ab Januar 1975 nicht mehr zu haben,
die „normalen“ DS23 liefen bereits im Dezember
1974 aus, danach gab es nur noch Pallas-Versionen. Am
24. April 1975 feierte der Hersteller mit einem Pressetermin
an einer deltablauen DS23ie-Pallas-Limousine im Stammwerk
Javel das „letztgebaute“ D-Modell. Tatsächlich
sollen bis zum Sommer 1975 noch einzelne D-Modelle montiert
worden sein, insbesondere Break und Krankenwagen, die
sogar noch bis Anfang 1976 ausgeliefert wurden, als der
Nachfolger CX dann auch in der großen Kombi-Variante
zur Verfügung stand. Die angegebene Gesamt-Produktionsziffer von 1.330.755 Einheiten bezog sich nur auf die Fertigung in Frankreich, weltweit kamen einige Exemplare hinzu, vornehmlich im Werk Slough in England und im belgischen Werk Forest in den 60er Jahren gefertigt, sowie aus CKD-Sätzen an vielen anderen Orten der Welt montiert. Insgesamt wurden in 20 Jahren laut Werksangabe 1.456.115 D-Modelle gebaut, darunter 94.044 Break-Modelle. |
|||
![]() |
|||